Herren von Weinsberg
Herren         von             Weinsberg

Wissenswertes über Burgen

 

MOTTE (TURMHÜGELBURG) UND BURGHOF

Die frühesten Burgen bestanden aus einer einfachen Holzkonstruktion an einer erhöhten Stelle, die von einem der Verteidigung dienenden Graben umgeben war. Hierfür wurde auf einem Gelände ein künstlicher Erdhügel, die so genannte Motte, aufgeschüttet. Als im Lauf der Zeit die Belagerungsmethoden immer wirkungsvoller wurden, begann man mehrfache Mauern oder Palisaden aus Holz zu errichten. Der Freiraum zwischen diesen Mauern wurde Burghof genannt.

Im 11. Jahrhundert war die Bauform mit Motte und Burghof vorherrschend. Allmählich wurden die Außenmauern immer weiter verstärkt und schließlich an ihrer oberen Kante mit einem zahnartig ausgesparten Zinnenkranz versehen, durch dessen Lücken die Soldaten Pfeile abschießen oder aus Geschützen feuern konnten.

 

BERGFRIED

Der nächste Schritt bei der Weiterentwicklung der Burganlage bestand darin, dass im Burghof ein Bergfried hinzugefügt wurde, ein stark befestigter Turm mit zentraler Verteidigungsfunktion. Wenn es dem Feind gelungen war, die Außenmauern zu durchbrechen, zogen sich die Burgbewohner als letzte Zuflucht dorthin zurück. Bergfriede waren oft 12 bis 15 Meter hoch, besaßen starke Mauern und kleine Fenster. Vor allem normannische Burgen zeichnen sich durch einen dominierenden Bergfried aus. Der White Tower im Tower von London ist ein Beispiel für einen normannischen Bergfried (Keep). Nachdem der Bergfried anfangs rechteckig gewesen war, erkannte man später, dass runde Anlagen einfacher zu verteidigen waren und baute Bergfriede von da an mit kreisförmigem Grundriss. Im Bergfried befanden sich Wohnräume und ein Brunnen, der die Burg auch im Belagerungszustand mit Wasser versorgte. Die wehr- und bautechnischen Erfahrungen des 12. und 13. Jahrhunderts führten zu einer Verstärkung der Ringmauern, der Einführung von Zwingern und Flankentürmen, Pechnasen und Wehrgängen. Im 13. Jahrhundert wurden Wohn- und Verwaltungsfunktionen vom Bergfried in neue Gebäude verlegt, die sich ebenfalls im Burghof befanden. Neben verschiedenen Bautypen, also Burgen mit oder ohne Wassergraben, Burgen, die in Felswände eingerichtet wurden (z. B. in Stein an der Traun in Bayern), muss unterschieden werden zwischen Burgen, die volles Grundeigentum des Besitzers waren (Allodialburgen), Burgen, die als Lehnsburgen auf Zeit galten (Pfalzen), Bischofs- und Klosterburgen. Eine Sonderstellung nehmen die Ordensburgen in Spanien ein, die Kreuzfahrerburgen im Mittelmeergebiet, die wechselnd und nur temporär bewohnt waren. In den romanischen Ländern und in England setzte sich zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert überwiegend die Kastellform (von lateinisch castellum: befestigtes Lager) durch, während im Alpenraum die Gipfelburg (Burg Hochosterwitz in Kärnten, Burg Liechtenstein bei Vaduz) beibehalten wurde. Die Baukunst der Spätgotik führte in Norddeutschland und Skandinavien zu überwiegend typengleichen, monumentalen Bauten, mit denen versucht wurde, sich vor neuer Militärtechnik (siehe Befestigung und Belagerung) zu schützen. Typisch für das norddeutsche Flachland wurde die Anlage von Wasserburgen, die in der Renaissance in die Anlage von Wasserschlössern überging (z. B. Glücksburg in Schleswig-Holstein, 1582-1587).

 

Bürger

vom althochdeutschen burgari, ursprünglich „Burgverteidiger”, später „Burg- und Stadtbewohner”, im allgemeinen Sinn das freie, in politischer und sozialer Hinsicht vollberechtigte Mitglied einer politischen Gesellschaft oder eines Staates; im weiteren Sinn jemand, der der Regierung eines Staates Untertanenpflichten schuldet und dem im Gegenzug der Staat Schutz schuldet. Im Zusammenhang mit dem Staat spricht man vom „Staatsbürger”.

Der spezifischere Sinn des Begriffs „Bürger” hat eine lange Geschichte. In den freien Republiken des klassischen Altertums bezeichnete der Begriff polites (griechisch, „Bürger”) nicht nur den Einwohner einer Stadt, sondern ein durch Geburt freies, an der Herrschaft beteiligtes Mitglied des Staates. Im Römischen Reich entsprach dem der Begriff der civitas, der nicht nur eine Stadt bzw. Stadtgemeinde und manchmal sogar den Staat, sondern auch das Bürgerrecht bezeichnete (von civitas leiten sich z. B. die englische Bezeichnung für Bürger: citizen und die französische: citoyen ab, und auch das deutsche zivil als Adjektiv oder in Wortverbindungen kommt von lateinisch civitas bzw. civis: der Bürger). Im griechischen Verständnis von polites, wie Aristoteles es zum Ausdruck gebracht hat, besaßen die Freien das Recht, sowohl an den gesetzgebenden wie an den rechtsprechenden Aufgaben ihres politischen Gemeinwesens mitzuwirken. Über dieses Recht wurde sorgsam gewacht, und es wurde selten jemandem gewährt, der im Ausland geboren war.

Im frühen Mittelalter bezeichnete der Begriff zunächst die Bewohner einer Burg und diejenigen, die sich z. B. bei befestigten Kirchen und Adelssitzen ansiedelten. Der Begriff verband sich noch nicht mit bestimmten Rechten, sondern bezog sich allein auf die Tatsache, dass die Bürger in einer bestimmten Ansiedlung nachbarschaftlich zusammenlebten. Im Lauf der Zeit gelangten die Bürger, meist Gewerbetreibende, zu Wohlstand und erkämpften sich ihre Unabhängigkeit von ihren kirchlichen oder adligen Stadtherren; im Hochmittelalter war der Großteil der Städte weitgehend unabhängig, und das freie Bürgertum begann sich als dritter Stand neben Bauern und Adel zu etablieren. Bürger war, wer in der Stadt oder in ihrem Gebiet über Grundbesitz verfügte; ausgeschlossen aus dem Kreis der Bürger waren Arme, das Gesinde, Gesellen sowie Juden. Die Bürger waren in städtischen Schwurgemeinschaften zusammengeschlossen; mit dem Bürgereid schworen sie der Stadt Treue und Gehorsam und kamen damit in den Genuss des vollen Bürgerrechts, d. h. sie durften Handel und Gewerbe treiben, das Bürgerrecht vererben, am politischen Leben der Stadt teilnehmen, und sie erfuhren Schutz seitens der Stadt. Im Spätmittelalter erweiterte sich nach zum Teil langwierigen innerstädtischen Kämpfen (z. B. zwischen Zünften und Patriziern) der Kreis der Bürger, die am politischen Leben der Stadt teilhatten.

Seit der frühen Neuzeit, besonders unter dem Einfluss des Absolutismus, verlagerte sich die Bedeutung des Begriffs Bürger zunehmend auf die territoriale Ebene, d. h. er bezeichnete nun alle Untertanen eines Herrschers, blieb aber weiterhin auf den sozialen Status bezogen, auf den dritten Stand neben Bauern und Adel. Seit der Französischen Revolution sind die Begriffe Bürger und Staatsbürger identische Begriffe und verbunden mit für alle Bürger gleichen, konkreten staatsbürgerlichen Rechten und Pflichten (Wahlrecht, Steuerpflicht etc.). Die auch als bürgerliche Ehrenrechte bezeichneten Rechte, wie etwa das passive und aktive Wahlrecht, können freilich aberkannt werden, z. B. wegen Straffälligkeit.

 

Zisterne

Ein Wasserreservoir in trockenen Regionen oder in Festungsanlagen, meist als unterirdisches Sammelbecken für Regenwasser angelegt. Das Regenwasser wurde mit Hilfe gepflasterter Flächen aufgefangen und in die Zisterne geleitet. Dort konnten sich die festen Schmutzstoffe absetzen (Schlammfang).

 

Kemenate

ein mit Kaminen beheizbarer Wohnraum einer Burg, meist für Frauen. Der Begriff wird daher auch im Sinn von Frauengemach verwendet. Auch in Adelshöfen und später in wohlhabenden bürgerlichen Häusern waren Kemenaten heizbare, aus Stein gebaute Räume oder Säle oder auch eigenständige, oft turmartige Gebäude (Wohntürme). In den mittelalterlichen Städten waren diese Kemenaten oft die ersten Steinbauten.

 

Ritter

Ritter (mittelhochdeutsch: Reiter, lat. eques, franz. chevalier, engl. knight, ital. cavaliere, span. caballero, poln. rycerz, slaw. vitez, vityaz, ungar. vitéz) ist die Bezeichnung für die wehrhaften, schwer gerüsteten, berittenen Krieger des europäischen Mittelalters.

Ab dem 11. Jahrhundert etablierten sich neben adligen Grundherren auch unfreie Hofbeamte (Ministerialen) als Ritter. Sie gingen im 13. und 14. Jahrhundert im niederen Adel auf und wurden zum Kern des Ritterstandes. Im Hochmittelalter schufen sich daneben auch die Ministerialengeschlechter selber oder sogar Klöster eigene Gefolgschaften, die sich als Ritter bezeichneten. Die meisten dieser Untervasallen (sog. niedere Ministerialen) konnten sich jedoch aus wirtschaftlichen Gründen nicht auf Dauer im Adelstand etablieren. Zahlreiche Burgställe im Umkreis von Burgen oder Ruinen zeugen bis heute von ihrer Existenz.

Im späteren Mittelalter war die „Ritterbürtigkeit“, also die Abstammung von adligen, ritterlichen Vorfahren meist Voraussetzung für die Aufnahme in den Ritterstand. In einem feierlichen Akt, ursprünglich der Schwertleite, später dem Ritterschlag, wurde man vom Herrscher oder einem anderen Adligen zum Ritter erhoben, vorausgesetzt man brachte die erforderlichen Merkmale und Qualitäten mit. Ab dem 13. Jahrhundert bildeten Ritter einen erblichen Stand. Militärisch gesehen handelte es sich nicht um Kavallerie, obwohl die Bezeichnung Ritter von ursprünglich Reiter herzuleiten ist. Ritter waren Einzelkämpfer, die Ritterschlacht war eine Ansammlung von gleichzeitigen Einzelkämpfen. Kavallerie hingegen besteht aus Reitern, die im taktischen Verband zusammen und geführt kämpfen. Die Anerkennung als Ritter durch Eintrag (Immatrikulation) in entsprechende Adelsregister konnte teilweise noch bis in das frühe zwanzigste Jahrhundert hinein entscheidend dafür sein, ob ein Recht auf Sitz und Stimme im Landtag bestand, so etwa im Baltikum.(Wikipedia)

 

Edelfreie

Als edelfrei (Edelfreie oder Edelinge) wurden zunächst diejenigen germanischen Adeligen bezeichnet, die sich von den anderen Freien durch die Zahlung des dreifachen Wergeldes unterschieden. Aus den Edelfreien entwickelte sich im Laufe des 12. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich der Hohe Adel im Gegensatz zum in seinen Ursprüngen meist unfreien Dienstadel, den sogenannten , dynastischer Herkunft war. Edelfreie Familien waren unabhängig von rechtlichen Bindungen übergeordneter Natur, sie waren keinen anderen Familien oder Dynastien untergeordnet, abgesehen von König bzw. Kaiser. Der heutige Begriff Uradel darf dabei nicht mit dem Begriff edelfrei verwechselt werden, denn er ist wesentlich weiter gefasst: Alle Geschlechter, die nachweislich spätestens um 1400 dem ritterbürtigen Adel (egal ob ursprünglich Edelfreie oder Ministeriale) angehört hatten, werden heute als Uradel bezeichnet.

Viele edelfreie Geschlechter unterwarfen sich im Laufe des Hochmittelalters mächtigeren Feudalherren; für diese Familien ist in der wissenschaftlichen Literatur der Terminus "ursprünglich edelfrei" üblich. Diese Unterwerfung geschah nicht immer nur unter Zwang. Viele Lehnsträger erreichten hohe Stellungen am Hof ihrer Lehnsherren, und die Dienstmannschaft war oft sehr lukrativ. Besonders zur Zeit des Territorialausbaues und durch das Aufkommen der Geldwirtschaft waren viele Edelfreie auf den Schutz und die Unterstützung eines mächtigeren weltlichen oder geistlichen Lehnsherren angewiesen. Auch umgekehrt bestand ein Abhängigkeitsverhältnis insofern, als größere Territorien nur mit Hilfe loyaler Dienstleute gesichert und verwaltet werden konnten. Die Zahl der edelfreien Familien war begrenzt. Es entstand nun rasch eine neue Gesellschaftsschicht, die Ministerialen. Diesen ihrer Herkunft nach meist unfreien Emporkömmlingen gelang innerhalb eines Jahrhunderts der Aufstieg in den niederen Adel. Die Unterschiede zu den alten edelfreien Geschlechtern begannen sich zunehmend zu verwischen. Bei vielen ursprünglich edelfreien Adelsfamilien fehlen deshalb zuverlässige Beweise ihrer dynastischen Herkunft.( teils Wikipedia)

 

Lehen

Unter Lehen – lat. feudum, feodum, beneficium – verstand man eine Sache (Grundstück, Gut), die dessen Eigentümer (Lehnsherr) unter der Bedingung gegenseitiger Treue in den erblichen Besitz des Berechtigten unter dem Vorbehalt des Anheimfalls an sich selbst übergeben hatte.

Das Lehen beinhaltete ein ausgedehntes erbliches Nutzungsrecht an der fremden Sache, die zugleich zwischen diesem und dem Berechtigten ein Verhältnis wechselseitiger Treue begründen und erhalten sollte. beneficum bezeichnete dabei nicht nur den aktuellen Gegenstand, das Lehen an sich – dieses wurde normalerweise feodum genannt –, sondern auch die damit verbundene Rechtsbeziehung.

Der betreffende Eigentümer war der sogenannte Lehnsherr (Lehnsgeber, dominus feudi, senior), meist der Landesherr bzw. der oberste Monarch. Der Berechtigte war dessen Vasall (Lehnsmann, vassus, vasallus = der Knecht, auch einfach als Lehensempfänger oder Lehensträger bezeichnet). Beide schworen sich einen Lehnseid. Die dem Vasallen zustehende Berechtigung näherte sich dem tatsächlichen Eigentum so sehr an, dass man diese als nutzbares Eigentum (dominium utile) und das Recht des eigentlichen Eigentümers als Obereigentum (dominium directum) bezeichnete.

Das Lehen (Lehnsgut) bestand zumeist aus einem Grundstück oder einem Komplex von Grundstücken, aber auch aus bestimmten Nutzungs- und Abgabenrechten.

Sprachlich hängt der Ausdruck „Lehen“ mit „leihen“ zusammen, bedeutet also so viel wie „geliehenes Gut“ (vgl. heute „Darlehen“), während das Wort „Feudum“ nach Ansicht einiger Etymologen vom lat. fides (Treue), richtiger aber wohl vom althochdeutschen feo (das heißt Vieh, dann überhaupt „Gut“) abzuleiten ist.

Den Gegensatz zum Lehen bildete das freie Eigentum, Allod oder Allodium, welches ungefähr dem heutigen Eigentum am Grundbesitz entsprach. Ein Institut des Übergangs vom Lehnsstaat zum freien bürgerlichen Eigentum heutiger Prägung war das allodifizierte Lehen, ein Lehen, bei dem das Obereigentum des Lehnsherrn - meist gegen Zahlung von Entschädigungen, Allodifikationsrenten - wegfiel, das aber für den Vasall als Lehen mit festgelegter agnatischer Erbfolge - einem Familienfideikommiß ähnelnd.

 

Mittelalter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
 
 
 
Gotische Gewölbearchitektur in der Kathedrale von Winchester
 

Der Begriff Mittelalter bezeichnet in der europäischen Geschichte die Epoche zwischen dem Ende der Antike und der Neuzeit (ca. 6. bis 15. Jahrhundert). Sowohl der Beginn als auch das Ende des Mittelalters sind Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion und werden recht unterschiedlich angesetzt.

Im Mittelalter wurde die politische und kulturelle Dominanz des griechisch-römisch geprägten Mittelmeerraums abgelöst durch eine neue, fast ganz Europa umfassende Welt christlicher Feudalstaaten romanischer, germanischer, slawischer und keltischer Völkerschaften. Grundzüge des europäischen Mittelalters waren eine nach Ständen geordnete Gesellschaft, eine gläubig christliche Geisteshaltung in Literatur, Kunst und Wissenschaft und Latein als gemeinsame Kultur- und Bildungssprache. Daneben waren die Idee der Einheit der christlichen Kirche (die aber faktisch nach dem Großen Schisma mit der Ostkirche nicht mehr bestand) sowie ein recht einheitliches Weltbild kennzeichnend für diese Epoche. Die vorherrschende Gesellschafts- und Wirtschaftsform des Mittelalters war der Feudalismus.

 

Das christliche Mittelalter sah sich selbst noch nicht als ein „Mittelalter“, sondern verstand sich heilsgeschichtlich als eine im Glauben allen anderen Zeitaltern überlegene aetas christiana („christliches Zeitalter“), die mit der Geburt Christi begann und erst mit dem Jüngsten Tag enden sollte. Während die vorausgegangenen Weltalter der Heilsgeschichte gemäß der Lehre von den drei, vier oder sechs Weltaltern (aetates mundi) noch weiter unterteilt wurden, gab es für die interne Periodisierung der aetas christiana kein fest etabliertes Epochenschema, sondern lediglich Ansätze, wie die Lehre von den sieben Perioden der Kirche (abgeleitet aus der Johannesapokalypse) oder die von Joachim von Fiore begründete Einteilung in eine Zeit des „Sohnes“ (von der Geburt Christi bis etwa 1260) und eine darauf folgende Zeit des „Geistes“.

Die Vorstellung, dass auch innerhalb der aetas christiana geschichtliche Entwicklung im Sinne von Fortschritt oder Verfall stattfinden könnte, war dem christlichen Mittelalter dabei keineswegs fremd. Sie war jedoch aus der Sicht der römischen Kirche prekär, weil diese einerseits eine Weiterentwicklung oder Überbietung der christlichen Lehre seit der Zeit des Evangeliums und der Kirchenväter nicht zulassen oder zugeben und andererseits auch die eigene Entwicklung nicht unter dem Gesichtspunkt des Verfalls betrachten lassen wollte. Soweit sich entsprechende Geschichtsvorstellungen mit kirchenkritischen Reformkonzepten und eschatologischen Berechnungen der Endzeit verbanden, wurden sie deshalb, wie die Lehre Joachims und seiner Nachfolger, von der römischen Kirche bekämpft.

 

Karl der Große mit den Päpsten Gelasius I. und Gregor I. Darstellung aus dem 9. Jahrhundert
 

In der politischen, dabei gleichfalls heilsgeschichtlich ausgerichteten Geschichtsbetrachtung traten Periodisierungsvorstellungen besonders in Form der Lehre von der Translatio imperii auf, wonach die römische Kaiserwürde zunächst auf die oströmischen Kaiser von Byzanz, dann in der renovatio imperii Karls des Großen auf die Franken und schließlich mit der Kaiserkrönung Ottos des Großen auf die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches übertragen wurde. Die Translatio-Lehre war mit der christlichen Weltalterlehre im Ansatz vereinbar, da sie die Vorzugsstellung und dogmatische Einheit der aetas christiana nicht in Frage stellte und ihr Konfliktpotential stattdessen in der Beziehung zwischen Papst und Kaisertum lag. Ein Periodensystem für die Geschichtsschreibung zur christlichen Epoche ergab sich jedoch aus dieser Vorstellung nicht.

 

Geschichte des Begriffs „Mittelalter“

 

Der Begriff Mittelalter wurde in der Form medium aevum („mittleres Zeitalter“) erstmals im 14. Jahrhundert von italienischen Humanisten eingeführt, die damit dann in den beiden folgenden Jahrhunderten zugleich auch das Verständnis der eigenen Epoche als Epoche der Wiedergeburt (Renaissance) begründeten. In der humanistischen Geschichtsbetrachtung wurde der christliche Glaube nicht in seiner allgemeinen Verbindlichkeit, sondern in seiner Gültigkeit als Maßstab für die Bewertung der weltgeschichtlichen Entwicklung entthronisiert und durch ein profangeschichtliches, nicht mehr primär von Theologen, sondern von Dichtern und Philologen konstruiertes Ideal der griechisch-römischen Antike ersetzt. Aus humanistischer Sicht war das Mittelalter ein „dunkles Zeitalter“ (aetas obscura), eine Epoche des Zerfalls und des Niedergangs, in der der sprachliche, literarische, technologische und zivilisatorische Entwicklungsstand der griechisch-römischen Antike bedingt durch den Einfall germanischer Völker und das dadurch herbeigeführte Ende des Weströmischen Reiches verloren ging, um erst in der eigenen Zeit durch die Wiederentdeckung antiker Quellen und die Wiederbelebung antiker Stilnormen zum Gegenstand der Nachahmung (imitatio) oder sogar Überbietung (aemulatio) zu werden.

Der Begriff des Mittelalters etablierte sich in der Folgezeit dann als Epochenbegriff mit tendenziell abwertender Bedeutung, wobei die Epochengrenzen meist einerseits mit dem Ende des Weströmischen Kaisertums im Jahr 476 und andererseits mit dem Ende des Oströmischen Reiches durch die osmanische Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 angesetzt wurden, letzteres speziell im Hinblick darauf, dass byzantinische Gelehrte bei ihrer Flucht in den Westen wichtige griechische Handschriften mitbrachten, die dem lateinischen Mittelalter unbekannt geblieben oder nur durch arabische Übersetzungen bekannt geworden waren.

Eine dezidiert positive Neubewertung, zum Teil verbunden mit nostalgischer Verklärung und mit dem Bedürfnis nach Bestimmung der eigenen christlichen oder nationalen Wurzeln und Identität, kam erst in der Zeit der ausgehenden Aufklärung und besonders in der Romantik auf und war seit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts ein wesentlicher Antrieb für die verstärkte philologische und historische Beschäftigung mit dem Mittelalter. In der modernen Forschung werden die originären Leistungen des Mittelalters und dessen eigene Kontinuation antiker Überlieferung nicht mehr wertend an der humanistischen Elle antiker „Größe“ gemessen, sofern Fortschritt, Verfall oder Wiedergeburt überhaupt noch als geeignete Kategorien wissenschaftlicher Geschichtsforschung angesehen werden, und an die Stelle nationalistischer tritt häufig eine europäisch ausgerichtete Rückbesinnung, die die „Geburt Europas im Mittelalter“ (Jacques Le Goff) betont.

Mit dem humanistischen Begriff der aetas obscura verwandt, aber in der Bedeutung abweichend ist der besonders in der englischsprachigen Geschichts- und Frühgeschichtsforschung etablierte Begriff der Dunklen Jahrhunderte (Dark Ages), worunter allgemein Perioden fehlender oder in der Forschung noch nicht aufgearbeiteter schriftlicher bzw. archäologischer Überlieferung, meist als Zwischenphasen gegenüber vorausgegangenen, vergleichsweise besser dokumentierten Perioden verstanden werden. In der Geschichte Englands zum Beispiel bezeichnet man so speziell den Zeitraum nach dem Ende der römischen Besatzung bis etwa zur Zeit König Alfreds von Wessex, also die Zeit der Einwanderung der Angeln, Sachsen und Jüten.

Außerhalb der Fachsprache werden heute Denk- oder Verhaltensweisen oder ganze Kulturen überspitzt als „mittelalterlich“ bezeichnet, um ihnen besondere Rückständigkeit und einen Mangel an Aufklärung und Humanität zuzuschreiben.

 

Mittelalterliche Burg in Deutschland
 

Die Bezeichnung „Mittelalter“ bezieht sich in erster Linie auf die Geschichte des christlichen Abendlands vor der Reformation, denn der Begriff wird kaum im Zusammenhang mit außereuropäischen Kulturen verwendet. Es bezieht sich also in erster Linie auf den europäischen Kontinent und die Britischen Inseln. Im Groben ordnet man das Mittelalter in die Zeit von 500 bzw. 600 n. Chr. bis etwa 1500 ein. Wesentlich konkreter sind folgende Bezugsdaten:

Das europäische Mittelalter erstreckt sich ungefähr vom Ausklang der Völkerwanderungszeit, deren Ende in der Forschung in das Jahr 568 datiert wird, bis zum Zeitalter der Renaissance seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bzw. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts (bezüglich der Problematik der Datierung des Beginns des Mittelalters siehe auch Ende der Antike und Spätantike).

Die Datierungsansätze sind nicht immer einheitlich, denn es kommt entscheidend darauf an, welche Aspekte der Entwicklung betont werden und welche Region man jeweils betrachtet.[1] Stellt man zum Beispiel den Einfluss des Islam und die Eroberung weiter Teile des einstmals römischen Gebietes durch die Araber in den Vordergrund und blickt eher auf den östlichen Mittelmeerraum als auf Westeuropa, so kann man Mohammeds Hidschra (622) oder den Beginn der arabischen Expansion ab 632 als Ende der Spätantike und Beginn des Mittelalters sehen. Desgleichen gibt es unterschiedliche Datierungsmöglichkeiten für das Ende des Mittelalters, beispielsweise die Erfindung des Buchdrucks (um 1450), die Eroberung von Konstantinopel 1453, die Entdeckung Amerikas 1492, der Beginn der Reformation (1517) oder auch der große Bauernkrieg von 1525. Andere Ansätze weiten das Ende des Mittelalters noch darüber hinaus aus (sogenanntes „langes Mittelalter“ bis ins 19. Jahrhundert, wofür z. B. Jacques Le Goff eintritt),[2] doch sind dies Minderheitsmeinungen.

Fokussiert man einzelne Länder, so kann man auch zu verschiedenen Eckdaten kommen. So endete die Antike am Rhein oder in Britannien aufgrund der dortigen Entwicklungen während der Völkerwanderung deutlich früher als etwa in Italien, Kleinasien oder Syrien. Auf der anderen Seite war zum Beispiel zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Italien bereits das Zeitalter der Renaissance angebrochen, während man zur gleichen Zeit in England noch vom Mittelalter spricht. Im Norden Europas folgt der Völkerwanderungszeit die "germanische Eisenzeit", die in Schweden durch die Vendelzeit (650-800) abgelöst wird. In Skandinavien beginnt um 800 die Wikingerzeit, die 1050 endet und dann in das "nordische Mittelalter" übergeht.

 

Ottos Sieg über Berengar II. (Illustration einer Mailänder Handschrift, um 1200). Otto I. („Theotonicorum rex“) empfängt als Zeichen der Unterwerfung ein Schwert vom links knienden König, der mit „Beringarius“ bezeichnet wird. Der Gefolgsmann Ottos rechts trägt ein Schwert mit der Spitze nach oben als Zeichen der Richtgewalt.
 

Im deutschsprachigen Raum hat seit dem 19. Jahrhundert die von der Nationalidee beeinflusste, an der fränkischen und deutschen Herrschergeschichte orientierte Geschichtsschreibung das europäische Mittelalter vornehmlich in drei Hauptphasen gegliedert:

  • Frühmittelalter(spätes 6. Jahrhundert bis Anfang 10. Jahrhundert), die Epoche der Merowinger und Karolinger
  • Hochmittelalter(Anfang 10. Jahrhundert bis ca. 1250), die Zeit der Ottonen, Salier und Staufer
  • Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500), der "Herbst des Mittelalters", nach dem Scheitern der klassischen Kaiseridee

Diese Trinität war an der Vorstellung von Aufstieg, Blüte und Verfall ausgerichtet.

Durch veränderte Fragestellungen, insbesondere auch den Einfluss wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtlicher Fragestellungen, ging man allmählich von dem an der Herrschergeschichte ausgerichteten Ordnungsmodell ab und betonte die Veränderungen des 11./12. Jahrhundert als entscheidende Zäsur des als Mittelalter bezeichneten Jahrtausends. Oft führt das dazu, dass man nur noch das frühere vom späteren Mittelalter unterscheidet.

Von einzelnen Autoren vorgenommene abweichende Ein- und Zuordnungen sind naturgemäß von unterschiedlichen Fragestellungen und Schwerpunktsetzungen beeinflusst. Neben rein sachlichen Kriterien haben sie allerdings bisweilen auch Profilierungsgründe zur Ursache.

 

Frühmittelalter

 

Die Völkerwanderung wird von der Forschung als Bindeglied zwischen Antike und Mittelalter angesehen und in der Regel der Spätantike zugerechnet. Mit dem Ende der Völkerwanderung, das traditionell mit dem Einfall der Langobarden in Italien (568) verbunden wird, begann zumindest in West- und Mitteleuropa das Frühmittelalter. In Ostrom hingegen hielten sich antike Strukturen noch einige Jahrzehnte länger.

 

Frühmittelalterliche Bewaffnung: Spatha, Sax, Franziska, Spangenhelm, Lanzenspitze und Schildbuckel, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
 

Im Frühmittelalter fanden viele einschneidende Entwicklungen statt. So begann in den noch nicht christlichen Gebieten (wie Britannien und die Gebiete östlich des Rheins) die Christianisierung, hauptsächlich durch die Tätigkeit irischer Missionare. Etwa um 500 begann unter König Chlodwig I., der mit seinem Adel geschlossen zum katholischen Christentum übergetreten war (dem Glaubensbekenntnis der gallischen Mehrheitsbevölkerung), der Aufstieg des Frankenreichs, das schließlich auf der Grundlage der Überreste des Weströmischen Reiches und der Reiche mehrerer germanischer Völker (so der Burgunder und den Gebieten der Westgoten in Gallien sowie der Langobarden in Oberitalien) seine Vorherrschaft in West- und Mitteleuropa begründet. Dabei blieb das (476 im Westen de facto zusammengebrochene) Römische Reich während des gesamten Mittelalters ein wesentlicher Referenzpunkt politischen Denkens. Den Höhepunkt dieser Entwicklung stellte die Krönung Karls des Großen zum „römischen Kaiser“ (Translatio imperii) durch den Papst an Weihnachten des Jahres 800 dar. Nach seinem Tod 814 zerfiel das Frankenreich allmählich. Aus seiner westlichen Hälfte entstand das spätere Frankreich, während sich aus der Osthälfte später das „Heilige Römische Reich“ entwickelte. Daneben erhielt der Papst durch die sogenannte Pippinische Schenkung 754 neben seiner geistlichen nun auch weltliche Macht, was später (vor allem ab dem 11. Jahrhundert) häufiger zu Spannungen zwischen den Königen und dem Papst führen sollte, wobei die entscheidende Frage war, ob der gekrönte Kaiser dem Papst untergeordnet sei oder nicht.

Zwischen 800 und 1100 bzw. 900 und 950 fallen die Einfälle der Wikinger sowie der Magyaren. Zusammen mit der Eroberung Nordafrikas und eines Großteils der Iberischen Halbinsel von ca. 650 bis 720 durch die Muslime bewirken sie die Auslöschung der letzten spätantiken Strukturen – soweit diese noch vorhanden waren – und setzten eine Entwicklung in Gang, die viele Bauern im Frankenreich ihrer Freiheit beraubte und die staatliche Autorität zersplitterte, da die Verteidigung der einzelnen Gebiete den dortigen Grundherren auferlegt wurde. Dies führte letztendlich zum Entstehen des feudalistischen Wirtschaftssystems. Die britischen Inseln und Nordfrankreich haben am meisten unter den Angriffen der Wikinger zu leiden, wobei die Angreifer in Britannien einige Königreiche errichteten, aus denen später England entstand.

Wirtschaftlich stellte das Frühmittelalter hauptsächlich eine Zeit der Naturalwirtschaft dar, wobei besonders das System der Grundherrschaft herauszustellen ist. Nur in Byzanz und in einigen urbanen Zentren spielte Geldwirtschaft im Alltag weiterhin eine bedeutende Rolle.

Wesentliche Kulturträger waren das Byzantinische Reich, die Klöster, insbesondere die des Benediktinerordens, sowie die Gelehrten des arabisch-muslimischen Kulturkreises, durch die ein wesentlicher Teil der antiken Literatur und Wissenschaften bewahrt werden konnte.

 

Hochmittelalter

 
Ritterdarstellung im Codex Manesse, 14. Jahrhundert
 

Das Hochmittelalter war die Blütezeit des Rittertums und des römisch-deutschen Kaiserreichs, des Lehnswesens und des Minnesangs. Man kann diese Ära auch als Zeitalter der Wiedererstarkung Europas bezeichnen, wobei die Machtstellung mehrerer europäischer Reiche zunahm. Die Bevölkerung begann zu wachsen, Handwerk und Handel wurden gefördert und auch die Bildung war nun nicht länger ausschließlich ein Privileg des Klerus. Allerdings verlief die Entwicklung in den einzelnen Reichen recht unterschiedlich.

In diese Epoche fallen die Kreuzzüge, in denen sich der massive Einfluss der seit 1054 gespaltenen Kirche zeigt (siehe hierzu auch Morgenländisches Schisma). Während der Kreuzzüge ziehen immer wieder Heere aus West- und Mitteleuropa in den Nahen Osten, um die dortigen christlichen „heiligen Stätten“ von den Moslems zu „befreien“, doch gelang es den (West-)Europäern nicht, sich dauerhaft dort festzusetzen. Später traten die einstmals religiösen Ziele der Kreuzzüge oftmals zugunsten von Machtgelüsten oder Profitgier in den Hintergrund.

Im Laufe der Kreuzzüge entwickelte sich auch ein Fernhandel mit der Levante, von dem insbesondere die italienischen Stadtstaaten, v.a. die Republik Venedig, profitieren konnten. Mit dem Handel gewann die Geldwirtschaft an Bedeutung. Ebenso gelangten neue bzw. wiederentdeckte Ideen nach Europa; so wurde zum Beispiel Aristoteles zur wichtigsten nicht-christlichen Autorität innerhalb der Scholastik. In Italien und später in Frankreich entstanden die ersten Universitäten. Vor allem in Mitteleuropa entstand das Zunftwesen, das die sozialen und wirtschaftlichen Vorgänge in den Städten stark prägte.

Das Hochmittelalter war auch eine Epoche der Auseinandersetzung zwischen weltlicher und geistlicher Macht im Investiturstreit, welcher die Einsetzung mehrerer Gegenpäpste zur Folge hatte. Die wichtigsten Orden des Hochmittelalters waren neben den Zisterziensern die Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner. Daneben entstanden neue christliche Laienbewegungen, die von der katholischen Kirche als häretisch bezeichnet wurden, darunter die Glaubensbewegungen der Katharer oder Waldenser. Im Hochmittelalter wurde auch deshalb die Inquisition ins Leben gerufen, um gegen diese sogenannten Ketzer vorzugehen.

In Nord- und Osteuropa bildeten sich im Zuge der fortschreitenden Christianisierung neue Königreiche wie England, Norwegen, Dänemark, Polen, Ungarn und Böhmen. Ebenso entstanden noch weiter im Osten unter dem Einfluss der Wikinger und orthodoxer Missionare aus dem byzantinischen Reich, das um 1000 seinen Höhepunkt erreichte, weitere Reiche wie das Kiewer Reich. Während Byzanz durch den vierten Kreuzzug im Jahre 1204 eine entscheidende Schwächung seiner Macht erfuhr, wurde das Reich der Kiewer Rus im Zuge des Mongolensturms 1223 zerstört; weitere osteuropäische Reiche (vor allem Polen und Ungarn) entgingen nur knapp dem Untergang. Daneben begannen ab 1000 die nach der islamischen Eroberung verbliebenen christlichen Reiche der Iberischen Halbinsel mit der sogenannten Reconquista, also der Rückeroberung des späteren Staatsgebietes von Spanien und Portugal von den Mauren.

 

Spätmittelalter

 
Original-Doppelseite aus dem Reiner Musterbuch, Anfang 13. Jh., seit 16. Jh. in der Österreichischen Nationalbibliothek
 
Burghof einer spätmittelalterlichen Burg in Deutschland
 

Das Spätmittelalter war die Zeit des aufsteigenden Bürgertums der Städte und der Geldwirtschaft. Während das Byzantinische Reich nach der Eroberung Konstantinopels 1204 während des Vierten Kreuzzuges langsam aber sicher seinem Untergang entgegenging, gewannen die christlichen Staaten auf der iberischen Halbinsel nach dem Sieg bei Las Navas de Tolosa im Jahre 1212 immer weiter an Boden.

Dennoch erlebte Europa ab etwa 1300 auch eine gewisse Krisenzeit, wenngleich die neuere Forschung wesentlich differenzierter als die ältere urteilt. Im Jahre 1291 fiel Akkon, die letzte Festung der Kreuzfahrer im Nahen Osten, die Autorität des Papstes schwand im Zuge des sogenannten Abendländischen Schismas. Die schlimmste Katastrophe in der sogenannten Krise des 14. Jahrhunderts stellte jedoch die Pest dar, der „Schwarze Tod“, die ab 1347 von der Halbinsel Krim im Schwarzen Meer kommend die Länder Europas verheerte und zwischen einem Drittel und der Hälfte der europäischen Bevölkerung, v.a. in den Städten, das Leben kostete. Die Entvölkerung führte zu Aufständen und einem Wandel der Sozialstrukturen, die das Rittertum zugunsten des Bürgertums schwächten und in der katholischen Kirche einige Reformbewegungen auslösten.

Etwa zur gleichen Zeit wie die Entvölkerung begann aufgrund von Erbstreitigkeiten um die französische Krone der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England. Von 1340 bis etwa 1420 behielten die Engländer die Oberhand, bis Jeanne d'Arc, heute als die Jungfrau von Orleans bekannt, den Franzosen wieder Hoffnung gab und ihnen bei Orleans zum Sieg verhalf. Obwohl sie schon 1431 von den Engländern zum Tode verurteilt wurde, konnte Frankreich den Krieg 1453 siegreich beenden, in demselben Jahr, in dem Konstantinopel an die osmanischen Türken fiel und in Deutschland der Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden wurde.

Kunst und Wissenschaften befanden sich im Spätmittelalter im Aufbruch. Die bereits im Hochmittelalter erfolgte Gründung der ersten Universitäten, vor allem in Italien (Bologna) und Frankreich (Paris), verhalf den Wissenschaften und der Philosophie zu einem neuen Aufschwung, denn sie verbreiten die Lehren antiker Gelehrter und ebneten so den Boden für die Epoche der Renaissance. Den Künstlern eröffneten sich neue Möglichkeiten dank Auftragsarbeiten für das selbstbewusste Bürgertum: Die bisher auf kirchliche Motive beschränkte Malerei wurde nun auf andere Bereiche ausgeweitet, auch die Dreidimensionalität wurde von den Malern entdeckt. Die Architektur lehnte sich infolge der Renaissancebewegung wieder an alte römische und griechische Vorbilder an.

Auch die Wirtschaft erlebte trotz der Pest eine Blüte. Hier sind vor allem wieder die italienischen Stadtstaaten hervorzuheben, aber auch der in der Nord- und Ostsee entstandene Städtebund der Hanse. Die Hanse bewirkte durch den schwunghaften Handel eine weitere Besiedelung Nord- und vor allem Osteuropas durch hauptsächlich deutsche Kolonisten (siehe hierzu den Artikel Ostkolonisation). Durch die Handelskontakte entstanden daneben in Russland eine Reihe neuer Fürstentümer, die nach und nach das mongolische Joch abschüttelten. Aus dem mächtigsten von ihnen, dem Fürstentum Moskau, sollte sich später das russische Zarenreich entwickeln.

 

 

Der Fall Konstantinopels in einer Darstellung aus dem 15. Jahrhundert
 

Als wesentlich für den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit betrachtet man im Allgemeinen die Zeit der Renaissance (je nach Land spätes 14. Jahrhundert bis 16. Jahrhundert), die Erfindung des modernen Buchdrucks mit beweglichen Lettern um 1450 und die damit beschleunigte Verschriftlichung des Wissens, die Entdeckung insbesondere der Neuen Welt durch Christoph Kolumbus 1492, oder auch den Verlust des Einflusses der institutionalisierten katholischen Kirche und den Beginn der Reformation. Diese Ereignisse sind alle zwischen der Mitte des 15. und der Schwelle zum 16. Jahrhundert anzusiedeln. Im selben Zeitraum kann man das Ende des Mittelalters in Deutschland auch mit der Reichsreform als dem verfassungsrechtlichen Ende des klassischen Feudalismus lokalisieren.

Angeführt wird ferner die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen (1453), da mit dem Untergang des Byzantinischen Reiches das letzte lebendige Staatsgebilde der Antike unterging. Der dadurch ausgelöste Strom byzantinischer Flüchtlinge und Gelehrter nach Italien wird für den Beginn der Renaissance als mitverantwortlich gesehen. Darüber hinaus wurden die Handelsrouten nach Asien durch die Ausbreitung des Osmanischen Reiches blockiert, sodass westeuropäische Seefahrer neue Handelswege erkundeten. Die Suche nach einem Seeweg nach Indien führte unter anderem zur Entdeckung Amerikas 1492.

 

Bereits in der Renaissance wurden die Epoche zwischen der Antike und der damaligen Gegenwart als ein Zeitalter betrachtet, wo das Wissen und die Werte der antiken Kulturen in Vergessenheit gerieten, woraus sich ihre kulturelle und geistige Unterlegenheit ableiten ließ. Diese Einstellung wurde im 19. Jahrhundert im Zuge der aufkommenden Romantik übernommen und weiter ausgebaut, wobei die Rezeption vergangener Zeiten gemäß der Aufklärung, der Moral des Viktorianischen Zeitalters und durch „Fortschrittsgläubigkeit“ und Vernunftsorientierung beeinflusst wurde. Dadurch entstand im 19. Jahrhundert eine moderne und bis heute populäre Rezeption des historischen Mittelalters, die im Großen und Ganzen eher auf dem romantischen Zeitgeist als auf historischen Quellen basiert.

 

Durch das Loch in der Decke wurde im Mittelalter zur Abwehr des Feindes heißer Teer gekippt. Bild: ♦ Burg Schönfels
 

Im Laufe der Zeit haben sich auf diese Weise Vorstellungen vom historischen Mittelalter herausgebildet, die keine historische Grundlage besitzen und sich dennoch einer breiten Bekanntheit erfreuen[4].

  • Die Menschen des Mittelalters glaubten, die Erde sei flach (siehe auch Flache Erde#Ansichten über die Scheibenform der Erde in der Moderne). Diese Meinung ist entgegen landläufiger Ansicht eine moderne und wird durch historische Quellen nicht gestützt. Die bekannteste Abbildung, welche oft als symbolischer „Beweis“ herangezogen wird, ist der Holzstich von Flammarion, der jedoch aus dem Jahr 1888 stammt und deshalb diesbezüglich keinerlei Aussagekraft besitzt. Die Behauptung, Menschen des Mittelalters glaubten, dass die Erde flach sei, taucht zum ersten Mal in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf und ist somit für das Mittelalter nicht als historisch zu betrachten.[5] Vor allem Washington Irving trug wesentlich zur Festigung des o.g. Mythos bei durch seine Columbus-Biografie von 1828, wo er aus literarischen Gründen den Matrosen unterstellte sie hätten Angst vom Rand der „Erdenscheibe“ herunterzufallen. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die im Mittelalter bekannten Ideen des Aristoteles sowie das Ptolemäische Weltbild die Erde als eine Art Sphäroid lehren, war die Vorstellung einer „Erdenscheibe“ für die Gelehrten des Hochmittelalters an sich untragbar.[6]
  • Menschen im Mittelalter waren ungebildet, rückständig und abergläubisch. Diese Vorstellung trifft nur bedingt zu (schichtenabhängig). Werke bedeutender Autoren entstanden im Mittelalter, etwa jene von Thomas von Aquin, Meister Eckhart, Roger Bacon, Albertus Magnus u. v. a. Die Gründung von Universitäten, der Ausbau der Städte, technologische Fortschritte (z.B. die Erfindung der Brille) sowie umfangreiche zeitgenössische Überlieferungen widersprechen der Annahme eines "barbarischen" Mittelalters.[7]. Die so häufig genannte Hexenverfolgung war v.a. ein Phänomen zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert - und somit eine Erscheinung der Renaissance bzw. der Neuzeit und nicht des Mittelalters.
  • Die islamische Welt brachte die Wissenschaft nach Europa. Zwar gab es um die Jahrtausendwende intensive Kontakte und kulturellen Austausch zwischen dem Nahen Osten und Abendland, die Vorstellung eines komplett ignoranten Europas ist jedoch nicht haltbar (siehe Hauptartikel Philosophie des Mittelalters). Nach dem Zusammenbruch des einheitlichen Römischen Reiches gingen viele Werke der antiken Wissenschaftler und Philosophen verloren, Werke, die unter anderem Mathematik, Astronomie und Medizin behandelten (siehe Bücherverluste in der Spätantike). Viele davon fanden Eingang in die arabisch-muslimische Welt und lagen in arabischer Übersetzung vor, so dass viele Werke z.B. des Aristoteles und Euklid (die in Europa de facto zumindest teilweise verloren gegangen sind) im Zuge der Conquista und der Kreuzzüge quasi eine Rückführung nach Europa erfuhren. Dabei profitierte der Westen ebenfalls von den eigenen Werken arabischer Philosophen und Denker, die noch Jahrhunderte lang die westliche Wissenschaft mitgeprägt haben. Dass es in Europa bereits im 8 Jh. weitreichende Bildung und regelrechte Bildungszentren gab, ist historisch belegt, vor allem ist die sog. Karolingische Renaissance diesbezüglich sehr aufschlussreich, und widerlegt die populäre Vorstellung der kompletten Übernahme der westlichen Wissenschaft aus dem Orient. Ebenfalls weit verbreitet ist die Vorstellung dass wichtige Erfindungen wie Buchdruck, Schwarzpulver, Kompass, Armbrust, Fernrohr und Papier allesamt aus China oder Persien übernommen wurden, was die Rückständigkeit des mittelalterlichen Europas unterstreichen soll. Zwar gibt es Hinweise dass Schwarzpulver als solches durch die Expansion des Mongolischen Reiches nach Europa gelangt ist und das Papier nachgewiesenermaßen entlang der Seidenstraße ihren Weg nach Europa fand[8], existieren jedoch für die meisten anderen Erfindungen europäische Gegenstücke[9][10], welche oft bis in die römisch-griechische Antike reichen und keinen chinesischen oder persischen Einfluss erkennen lassen. Man geht heute davon aus, mangels gültiger Beweise eines direkten chinesischen Einflusses, dass die meisten dieser Erfindungen keine "Kopien" oder "Übernahmen" sondern eigene Parallelentwicklungen darstellten.
  • Gewalt, Krieg und Seuchen waren allgegenwärtig, die Lebenserwartung war gering. Obwohl es in Europa zwischen 500 und 1500 zahlreiche Kriege gab, gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass diese mit größerer Brutalität oder Rücksichtslosigkeit als in der Neuzeit geführt wurden.[11] Außerdem ist in der Zeit zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert ein deutliches Bevölkerungswachstum sowie eine Ausbreitung des Siedlungsgebietes feststellbar, was auf die günstigeren Klimabedingungen zurückzuführen ist. Die kleine Körpergröße der Menschen im Mittelalter ist eine weitverbreitete, heute jedoch weitgehend widerlegte Annahme. Untersuchungen an Skeletten in den letzten Jahrzehnten haben ergeben, dass die durchschnittliche Körpergröße des mittelalterlichen Menschen vergleichbar ist mit der durchschnittlichen Größe der Menschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.[12] Europa erlebte im Hochmittelalter eine ausgeprägte Wärmeperiode, im Süden Englands wurde Wein angebaut. Erst im 14., 15. Jahrhundert verschlechterte sich das Klima zur sogenannten „Kleinen Eiszeit“; die damit verbundene Nahrungsumstellung und teilweise Mangelernährung wirkte sich in den darauffolgenden Jahrhunderten auf die durchschnittliche Körpergröße aus.
  • Die Pest als dominierende Seuche des Mittelalters. Die Betrachtung der Pest als typisch mittelalterliche Erscheinung ist eine Vorstellung der Moderne: Zwischen der Justinianischen Pest und der spätmittelalterlichen Pandemie lagen vom 8. bis zum 14. Jahrhundert mehr als 500 „pestilenz-freie“ Jahre. Laut den neuesten Erkenntnissen der Genetik[13] ist der Erreger, der für die spätmittelalterliche Pandemie 1347–1353 verantwortlich ist, ein zu dieser Zeit kürzlich entstandener Stamm der Yersinia pestis gewesen. Da die modernen für Tier und Mensch gefährlichen Yersinia-Varianten laut genetischen Befunden von diesem Ur-Typ (und evtl. seinen Variationen) abstammen, und sich untereinander nur wenig unterscheiden, geht man zurzeit davon aus, dass die extreme Virulenz des mittelalterlichen Yersinia-Typus auf mangelhafte Immunität der Bevölkerung (was gewöhnlich bei neuen und aggressiven Erregern oft der Fall ist) und die ungünstigen gesellschaftlichen Verhältnisse zurückzuführen sind.[14] Die so häufig postulierte "mangelnde Hygiene" und "völlige Abwesenheit medizinischer Kenntnisse" als einzig und alleinige Ursache für die Pandemie sind demzufolge nicht zutreffend - die nachfolgenden Epidemien verliefen bei weitem nicht so dramatisch, was durch die immunologische Anpassung der Bevölkerung (Selektionsdruck durch Yersinia pestis) und medizinische Erkenntnisse möglich wurde. Gerade weil es sich um eine bis dahin unbekannte Seuche handelte, waren die Gelehrten ratlos und überfordert; diese Defizite konnten nur im Verlauf der Zeit ausgeglichen werden. Die genetischen Erkenntnisse stellen außerdem die Zugehörigkeit dieses Yersinia-Erregers der "Justinianischen Pest" in Frage, denn laut oben genannten Befunden ist jene mittelalterliche Yersinia-Variante im 13-14 Jh. vermutlich in China entstanden und kann hiermit nicht für Epidemien der Spätantike und des Frühmittelalters verantwortlich sein. Als "typisch mittelalterliche Seuche" im Zeitraum vom 6 bis 16 Jh. kann jene spätmittelalterlich-neuzeitliche Yersinia pestis - Variante, welche für die Pandemie 1347-1353 verantwortlich war, mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen werden.[15]
  • Bauern und die niederen Stände mussten ständigen Hunger, Kälte und unmenschliche Arbeit erdulden. Das Bild vom geschundenen Bauern in zerlumpter Kleidung erfuhr seine größte Popularität in der filmischen Darstellung des Mittelalters. Historisch gesehen war das Leben der niederen Stände jedoch deutlich vielseitiger und weniger entbehrungsreich, als heute oft angenommen wird.[16] (siehe dazu: Esskultur des Mittelalters). Der durchschnittliche Fleischverbrauch pro Kopf war im mittelalterlichen Mitteleuropa ca. siebenmal so hoch wie im Mitteleuropa des 19. Jahrhunderts und immer noch höher als der Fleischkonsum in Mitteleuropa zu Beginn des 21. Jahrhunderts.[17][18] Während der mittelalterlichen Warmzeit waren Missernten viel seltener als später, was den sozialen und technologischen Ausbau sowie die Expansion der Siedlungsräume ermöglichte. Außerdem ist zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert ein rasanter Bevölkerungszuwachs nachweisbar[19] der rein physiologisch nur mit einer entsprechenden Ernährung stattfinden konnte. Klimatisch und jahreszeitlich bedingte Schwankungen in der Erntemenge und Nahrungsverfügbarkeit waren zu allen Zeiten gegeben (Hunger im späten Winter), eine oft zitierte „vom Hunger beherrschte dunkle Zeit“ lässt sich im historischen Hochmittelalter nicht nachweisen.
  • Abwesenheit der Körperhygiene. Zahlreiche Badehäuser sind in mittelalterlichen Städten archäologisch belegt[20], genauso wie zeitgenössische Schriften, in denen eindeutig zu ausgedehnter Körperpflege und Hygiene gemahnt wird (z. B.: Passionibus Mulierum Curandorum von Trotula sowie Regimen Sanitatis Salernitanum aus dem Umfeld von Schola Medica Salernitana und Compendium Medicinae von Gilbertus Anglicus). Anderweitige historische Überlieferungen zeugen außerdem von ausgeprägter Badelust der gehobener Schichten.[21] Wie auch zu anderen Zeiten und in anderen Ländern war Hygiene eine persönliche Angelegenheit, die mit Sicherheit auch von der gesellschaftlichen Schicht abhängig, unterschiedlich extensiv praktiziert wurde.[22] Besonders im nördlichen Europa finden sich seit dem Frühmittelalter hölzerne Badehäuser und Dampfbäder, welche bis heute in Skandinavien und Osteuropa verwendet werden.
  • Willkür, Folter und Hinrichtungen waren an der Tagesordnung. Entgegen der weitläufigen Meinung ist im 16. Jahrhundert der eigentliche Höhepunkt der Hexenverfolgung anzubringen. Bereits der Sachsenspiegel, ein bedeutender hochmittelalterlicher Rechtscodex, offenbart wohlstrukturierte Rechtsverhältnisse, welche große Teile des Lebens regeln. Eine besondere Rechtlosigkeit des Bürgers und des Bauern ist angesichts der feudalen Strukturen sowie der damals sehr wohl bestehenden Rechtsordnung nicht zutreffend.

Konrad III.

 
König Konrad III. Miniatur aus der Chronica regia Coloniensis, Köln, um 1240, Königliche Bibliothek Belgiens, Brüssel

 

Konrad III. (* 1093 in Bamberg; † 15. Februar 1152 ebenda), aus dem Geschlecht der Staufer, war 1116/20 Herzog von Franken, römisch-deutscher König 1127–1135 (als Gegenkönig) sowie 1138–1152, König von Italien 1128–1135 bzw. 1138–1152 und König von Burgund 1138–1152. Als er sich als König durchsetzte, begann die Epoche der staufischen Herrscher und zugleich die Phase des staufisch-welfischen Gegensatzes, der rund 100 Jahre lang die Geschichte des mittelalterlichen Deutschen Reiches bestimmte. Konrad war der Sohn von Herzog Friedrich I. von Schwaben und von Agnes von Waiblingen, einer Tochter Kaiser Heinrichs IV. Konrad heiratete 1115 Gertrud von Comburg, die 1130 verstarb, in zweiter Ehe heiratete er vor 1135/36 Gertrud von Sulzbach (gestorben am 14. April 1147 in Hersfeld), Tochter des Grafen Berengar I. und der Adelheid von Wolfratshausen.

 

Weg zur Krone

 

Konrad erweiterte nach dem Tod seines Vaters 1105 gemeinsam mit seinem älteren Bruder Friedrich, der die schwäbische Herzogswürde geerbt hatte, das Hausgut der Staufer beträchtlich. Die Brüder setzten damit die Politik ihres Vaters fort. Während Friedrich sich auf das Elsass und den Mittelrhein konzentrierte, war Konrad vor allem in Nordschwaben und Franken aktiv. Als 1116 der Bischof von Würzburg, zugleich Herzog von Franken, Erlung, sich im Investiturstreit zwischen Kaiser Heinrich V. und dem Papst gegen ersteren stellte, entzog Heinrich ihm die Herzogswürde und übertrug sie Konrad. Beim fränkischen Herzogsamt handelte es sich zu diesem Zeitpunkt um wenig mehr als einen reinen Titel ohne Machtbefugnisse. Doch selbst diesen Anspruch konnte Konrad nicht durchsetzen, durfte aber als Folge eines später gefundenen Kompromisses den Herzogstitel weiterhin führen – wie auch der Bischof, der ihn zurückerhielt. 1116 ernannte Heinrich V. Konrad und Friedrich für die Dauer seiner Italienfahrt zu seinen Stellvertretern. Diese Machtposition nutzten die Brüder, um den staufischen Besitz vor allem in Rheinfranken weiter auszudehnen. Vor allem zog Konrad in dieser Zeit die Grafschaften um Comburg und Rothenburg an sich. Eine weitere Expansion scheiterte am Widerstand der Würzburger Bischöfe.

1124/1125 brach Konrad zu einer Pilgerfahrt nach Jerusalem auf. Nachdem Heinrich V. im Mai 1125 gestorben war, machte sich Konrads Bruder Friedrich Hoffnungen auf den Königsthron, da er und Konrad über ihre Mutter zu den nächsten Verwandten der Salier zählten, die mit Heinrich V. ausgestorben waren. Überraschend wurde Lothar III. zum König gewählt. Nach einer vorübergehenden Einigung mit Lothar nahm Friedrich den Kampf gegen den neuen König auf. Der Konflikt entzündete sich vor allem an der Unterscheidung zwischen Königsgut und dem salischen Hausgut. Konrad und Friedrich hatten das Hausgut von Heinrich V. geerbt und entlang des Rheins aufgeteilt: linksrheinisch an Friedrich, rechtsrheinisch an Konrad. Die Abgrenzung zum Königsgut, das sie an Lothar hätten zurückgeben müssen, war jedoch umstritten. Auf einem Hoftag in Regensburg forderte Lothar im November 1125 die Staufer auf, das Königsgut vom salischen Hausgut zu trennen und an ihn zu übergeben. Als Friedrich und Konrad nicht reagierten, verhängte Lothar im Dezember die Reichsacht über sie. Im Januar 1126 beschlossen mehrere Fürsten in Goslar, die Acht gegen die Staufer militärisch durchzusetzen. In den folgenden Feldzügen blieben sie weitgehend erfolglos.

Im Sommer 1127 kehrte Konrad aus dem Heiligen Land zurück, griff in die Kämpfe ein und ließ sich von schwäbischen und fränkischen Adligen zum König erheben. Warum Konrad und nicht der ältere Friedrich zum König ausgerufen wurde, ist unklar, möglicherweise spielte die Erblindung Friedrichs auf einem Auge dabei eine Rolle, die ihn nach damaligen Vorstellungen ungeeignet für das Amt machte. Allerdings ist die Erblindung nicht genau zu datieren. Friedrich war zudem durch die gescheiterte Wahl des Jahres 1125 kein aussichtsreicher Kandidat mehr.

Konrad hatte gegenüber Lothar nur in Südwestdeutschland ausreichende Unterstützung vom Adel. Er versuchte daher, durch einen Zug nach Italien seine Machtposition zu verbessern. Er ließ sich am 29. Juni 1128 in der Lombardei zum König von Italien krönen. Nennenswerte Vorteile brachte ihm der Italienzug jedoch nicht. Unterdessen hatte sich 1130 bei seiner Rückkehr ins Reich die Lage zu seinen Gunsten verändert.

Nach mehreren militärischen Niederlagen (Verlust Speyers, Nürnbergs und des Elsass) und der Zusicherung, ihre Lehen und Güter behalten zu dürfen, unterwarfen sich 1135 erst Friedrich und im Herbst in Mühlhausen in Thüringen Konrad Lothar. Die Staufer mussten dem König Unterstützung bei einer Italienfahrt versprechen und wurden wieder in die königliche Huld aufgenommen.[1] Zur Bekräftigung des Friedensschlusses heiratete Konrad kurz darauf Gertrud, eine Schwägerin Heinrichs des Schwarzen.

 

Konrad als König

 

Im Dezember 1137 starb Lothar. Heinrich der Stolze, Schwiegersohn des verstorbenen Kaisers, Herzog von Bayern und Sachsen, Oberhaupt der Welfen (und Schwager Friedrichs), galt als aussichtsreichster Anwärter auf die Thronfolge. Er war unter Lothar zum mächtigsten Fürsten des Reiches aufgestiegen. Konrad kam ihm zuvor, indem er sich von einer Minderheit welfenfeindlicher Fürsten am 7. März 1138 in Koblenz (Basilika St. Kastor) erneut zum König ausrufen ließ.[2] Erzbischof Albero von Trier leitete diese Wahl. Kurz danach, am 13. März, krönte und salbte Kardinallegat Dietwin Konrad in Aachen. Aus bis heute nicht geklärten Gründen verhielt sich die Mehrheit der Fürsten dieser unerwarteten und regelwidrigen Thronbesteigung gegenüber passiv. Spätestens nach dem Reichstag in Bamberg an Pfingsten akzeptierten sie die neuen Verhältnisse. Heinrich der Stolze war durch Kämpfe mit Markgraf Albrecht dem Bären in Sachsen gebunden und konnte den Rivalen vorerst nicht angreifen.

Es gibt mehrere Erklärungen dafür, warum Konrad seine Aktion, später auch als Staatsstreich charakterisiert, weitgehend unangefochten durchsetzen konnte. So war er im Gegensatz zu Heinrich ein Blutsverwandter eines Königs, nämlich ein Enkel Heinrichs IV. Konrad selbst betonte später die Kontinuität salischer Herrschaft in seiner Person nach der Unterbrechung durch Lothar. Wichtiger dürfte jedoch die Tatsache gewesen sein, dass Konrad über eine wesentlich schwächere Machtbasis als Heinrich der Stolze verfügte. Dies war im Interesse der Fürstenschaft und der Kirche, die glaubten, Konrad unter Kontrolle halten zu können. Mit Heinrich, der über die beträchtlichen welfischen Güter verfügte, wäre dies kaum möglich gewesen.

 

 

Herzog Leopold von Bayern, König Konrad III., Hadmar I. von Kuenring. Ausschnitt aus fol. 8v der „Bärenhaut“:

 

Kampf mit den Welfen

 

Gleich nach seinem Herrschaftsantritt begann Konrad, gegen Heinrich den Stolzen vorzugehen. Vor allem forderte Konrad, dass Heinrich die sächsische Herzogswürde abgebe und sich auf Bayern beschränke. Als Heinrich dies ablehnte, wurde die Acht über ihn verhängt. Konrad entzog ihm beide Herzogtümer. Sachsen wurde an Albrecht den Bären, Bayern an Leopold IV. aus dem Haus der Babenberger vergeben. Gleichzeitig entzog Konrad Heinrichs Bruder Welf VI. die Markgrafschaft Tuszien in Oberitalien. Darauf übernahm Welf von seinen Hausgütern in Oberschwaben aus die Führung im Kampf gegen den König. Heinrich setzte sich währenddessen in Sachsen weitgehend gegen Albrecht durch, starb aber 1139. 1140 besiegte Welf die Babenberger bei Valley, wurde aber selbst während der Schlacht um die Burg Weinsberg (mit der „Treu-Weiber-Begebenheit“ vom 21. Dezember 1140) bei Heilbronn geschlagen, die Konrad einnahm. In Sachsen blieb die Dominanz der Welfen, getragen durch Richenza, die Witwe Lothars III., auch nach dem Tod Heinrichs des Stolzen stabil.

1141 zeichnete sich eine Möglichkeit zur Beilegung des Konflikt ab: Richenza und Leopold IV. waren gestorben, Albrecht verzichtete auf Sachsen. Daraufhin wurde Heinrich der Löwe, der Sohn Heinrichs des Stolzen, 1142 mit Sachsen belehnt. Seine Mutter Gertrud musste Heinrich II. Jasomirgott, den Bruder Leopolds IV., heiraten, der im Januar 1143 mit Bayern belehnt wurde. Doch die Welfen waren damit keinesfalls zufrieden, unter anderem weil Heinrich der Löwe noch minderjährig war und damit Konrad keinen echten Widerstand entgegensetzen konnte. Zudem hatte sich der König große Ländereien in Bayern gesichert und Welf VI., den eigentlichen Anführer der Welfen, außer Acht gelassen. Dieser unterstützte daraufhin vor allem in Bayern die Adelsopposition gegen den König und hielt so den staufisch-welfischen Konflikt am Leben. Darüber hinaus starb Gertrud bereits 1143 und konnte so die ihr zugedachte Vermittlerrolle zwischen den beiden Häusern nicht ausfüllen.

 

Der Kreuzzug

 

Bernhard von Clairvaux hatte Konrad III. durch eine Predigt in Speyer dazu gebracht, an Weihnachten 1146 die Teilnahme an einem Kreuzzug zu geloben. Im März 1147 fand in Frankfurt am Main ein Reichstag statt, der der Vorbereitung des Zweiten Kreuzzugs dienen sollte. Wichtigster Punkt war die Ernennung und Wahl von Konrads Sohn Heinrich (VI.) zum Nachfolger im Königsamt. Heinrich der Löwe nutzte diese Zusammenkunft, um offiziell gegen die Absetzung seines Vaters als bayerischer Herzog zu klagen. Dieser Schritt sei ungerecht gewesen. Heinrich der Löwe forderte sein Erbe zurück. Zwar gab er sich letztendlich damit zufrieden, dass sein Anliegen nach dem Kreuzzug geklärt werden sollte, allerdings bedeutete dieses Zugeständnis bereits eine offizielle Anerkennung seiner Ansprüche. Darüber hinaus weigerte Heinrich der Löwe sich, anders als Welf VI., am Kreuzzug teilzunehmen. Außerdem erzwangen sächsische Adlige auf dem Reichstag gegen den anfänglichen Widerstand des Königs und Bernhards von Clairvaux die Ausrufung eines weiteren Kreuzzuges, der die Unterwerfung der Slawen an Elbe und Oder zum Ziel hatte.

1147 brach Konrad gemeinsam mit dem französischen König Ludwig VII. zum Zweiten Kreuzzug nach Jerusalem auf. Das Unternehmen misslang jedoch. Bereits in Kleinasien wurde Konrads Heer von den Seldschuken in der Schlacht von Doryläum vernichtend geschlagen. Edessa, das zu befreien der Kreuzzug aufgebrochen war, war bereits vor der Ankunft der Kreuzfahrer von den Muslimen zerstört und entvölkert worden. Auch die stattdessen versuchte Belagerung von Damaskus scheiterte katastrophal. Konrad erholte sich beim byzantinischen Kaiser Manuel I., der ihn persönlich gepflegt haben soll, von seinen Verletzungen.

 

Die letzten Jahre

 

Welf VI. brach den Kreuzzug bereits im Sommer 1148 heimlich ab und nahm mit den Normannen Kontakt auf. Das angestrebte Bündnis sollte sich in erster Linie gegen die Babenberger richten und gleichzeitig das Bündnissystem durchbrechen helfen, das Byzanz gegen die Normannen aufgebaut hatte. Es folgte ein erneuter Aufstand Welfs, der 1150 mit einer Niederlage der Welfen am Flochberg endete. Heinrich der Löwe besetzte dagegen weite Teile Bayerns. Im Herbst 1151 scheiterte ein Angriff Konrads auf Heinrichs Residenz Braunschweig.

1150 starb Konrads Sohn Heinrich (VI.), der als Nachfolger ausersehen war und bereits den Königstitel trug. Konrad III. selbst starb 1152 in Bamberg auf dem Weg nach Rom, ohne die Kaiserkrone erlangt zu haben. Entgegen seinem Wunsch, im staufischen Hauskloster Lorch begraben zu werden, wurde er im Bamberger Dom beigesetzt.

 

Außenpolitik

 

Unmittelbar nach Konrads III. Regierungsantritt schickte der byzantinische Kaiser Johannes Komnenos Gesandte in das Reich, um ein Bündnis auszuhandeln, das vor allem gegen die Normannen in Italien gerichtet sein sollte. Bertha von Sulzbach, eine Schwägerin Konrads, wurde nach langen Verhandlungen 1142 als Braut für den Kaisersohn Manuel nach Byzanz geschickt. Allerdings wurde das Bündnis vorerst nicht formal geschlossen, da Johannes Komnenos noch im gleichen Jahr starb. Erst 1146 heiratete Manuel Bertha, die den Namen Irene annahm, und erneuerte das Bündnis mit Konrad. Zu Kämpfen gegen die Normannen kam es nicht, weil Konrad im folgenden Jahr zum Kreuzzug aufbrach. Auf dem Rückweg vom Kreuzzug traf Konrad im Oktober 1148 mit Manuel zusammen und gestand ihm die normannisch besetzten Teile Italiens sowie seine Hilfe nach deren Rückeroberung zu. Auch diese Zusage wurde wegen des erneuten Welfenaufstands und der Krankheits Konrads nicht eingelöst. Vor allem bei Papst Eugen III., aber auch im deutschen Adel, stieß die Zuerkennung des Normannenreiches an Byzanz auf Widerstand. Nach langen Verhandlungen versuchte Konrad III. 1150, den Anspruch auf das Territorium zurückzuerlangen: Heinrich (VI.) sollte eine Nichte Manuels heiraten und das Normannenreich als ihre Mitgift zurück bekommen. Nachdem Heinrich noch im gleichen Jahr gestorben war, wollte Konrad sich selbst, obwohl bereits 58 Jahre alt, 1151 als Bräutigam zur Verfügung stellen. Als Konrad 1152 starb, wurden die entsprechenden Verhandlungen abgebrochen.

Auch in Polen wurde Konrad III. politisch aktiv: Nach dem Tod Bolesławs III. 1139 wurde dessen Reich unter den vier Söhnen aufgeteilt. Władysław II., der Älteste, war der Ehemann von Agnes, einer Tochter Leopolds III. von Österreich, der als Babenberger eng mit den Staufern verbündet war. Als Tochter Agnes von Waiblingens war Agnes außerdem eine Halbschwester von Konrad und Ladislaus damit Konrads Schwager. 1146 verjagten die drei übrigen Brüder Ladislaus aus Polen. Er floh an den Hof Konrads, der darauf einen Feldzug gegen Polen begann, der aber zu Lebzeiten Konrads weitgehend ohne Folgen blieb.

In Böhmen setzte sich Konrad 1140 dagegen für einen Usurpator ein: Er unterstützte Vladislav, der eine Schwester Leopolds IV. heiratete. Der ungarische König Bela II. verlobte seine Tochter Sophia mit dem Thronfolger Heinrich (VI.). Nachdem Byzanz 1146 einen konkurrierenden Anwärter auf den ungarischen Thron unterstützt hatte, distanzierte sich Belas Sohn Géza II. von Konrad als Verbündetem von Byzanz. Er löste die Verlobung und begann, mit den Welfen zu verhandeln.

 

Innenpolitik

 

Siegel Konrads III. von 1143
 

Unter Konrad III. veränderte sich die königliche Verwaltung. So wurden die drei Kanzleien für den deutschen, burgundischen und italienischen Reichsteil in zwei Schritten 1122 und 1138 zu einer zentralen Reichskanzlei zusammengefügt. Die Bedeutung des Erzkanzlers ging zurück und beschränkte sich zunehmend auf einen formalen Titel. Bedeutender wurde der Reichskanzler als eigentlicher Leiter der Tagesgeschäfte der Reichskanzlei. Der erste Kanzler Konrads war Arnold II. von Wied, der neben der hergebrachten Schreiberarbeit auch mit eigenständigen diplomatischen Missionen betraut wurde. Der Personalbestand der Reichskanzlei wuchs an, ihre Mitgliederschaft setzte sich zunehmend aus Ministerialen zusammen und weniger als bisher aus Klerikern der Hofkapelle. Die folgenden staufischen Herrscher setzten diese Politik fort.

Auf territorialpolitischer Ebene drängte Konrad die Welfen aus ihrem in Nordschwaben bzw. Südfranken erworbenen Besitz aus Calwer Erbe vollkommen zurück, während ihnen ihr Stammbesitz in Oberschwaben erhalten blieb. Darüber hinaus bemühte er sich in verschiedenen Regionen um das Anlegen eines Netzes aus verbündeten oder eigenen Territorien: In Burgund verhalf er den verbündeten Zähringern zur Durchsetzung ihres Herrschaftsanspruchs. Im Nordwesten, auf dem Gebiet des ehemaligen niederlothringischen Herzogtums, unterstützte er die Machtexpansion des Kölner Erzbischofs. Darüber hinaus weitete Konrad während seiner Königsherrschaft die staufische Hausmacht vor allem in Rheinfranken weiter aus. Der weiteren Expansion der staufischen Besitzungen standen neben den Welfen vor allem im Westen Simon von Oberlothringen und im Nordosten Erzbischof Heinrich von Mainz entgegen. Konrad bemühte sich mehrfach vor allem um Gebietsausweitungen in Richtung Nordosten, um das sächsische Königsgut mit dem staufischen Hausgut zu verbinden. Im Nürnberger Raum legte Konrad den Schwerpunkt auf den Ausbau der Königsmacht durch Rodung und die Gründung von Siedlungen. Allerdings scheint Konrad versucht zu haben, die Verschmelzung von staufischem Hausgut und Königsgut zu vermeiden. So befassten sich sein Bruder Friedrich II. von Schwaben und dessen Sohn Friedrich III. in einer Art Arbeitsteilung mit der Vergrößerung der Hausmacht, während Konrad sich auf Königsgüter und Bündnisse konzentrierte.

(Wikipedia)

 

Friedrich I. Barbarossa (1122-1190)

Der Kaiser des Hochmittelalters wurde zur Lichtgestalt

Er gehörte zu den mächtigen Herrschern des Mittelalters und starb auf dem Weg ins Heilige Land. Dann wurde er schon früh zu einer historischen Lichtgestalt gemacht.

Der Herzog Friedrich III. von Schwaben trat 1152 als Friedrich I. die Nachfolge seines Onkels Konrad III. als römisch-deutscher König an. In Italien erhielt er den Beinamen Barbarossa, unter dem er auch in deutschen Landen bekannt ist.

 

Die Lebensstationen von Friedrich I. Barbarossa

Friedrich I., genannt Barbarossa kam um 1122 zur Welt. Die Ehre des Geburtsortes ist unklar. Waiblingen und Weingarten kommen in Frage. Seine Eltern waren der Herzog Friedrich II. von Schwaben aus dem Haus der Staufer und seine Frau Judith aus dem Geschlecht der Welfen.

1147 hatte Friedrich sich in Eger mit Adela von Vohburg, der Tochter des Markgrafen Diepold III. von Vohburg und Cham, vermählt. Sein Vater starb im selben Jahr und er wurde als Friedrich III. Herzog von Schwaben. Sein Onkel war als Konrad III. deutscher König und bemühte sich um die Stärkung der Rolle des Königs im Reich. Der junge Herzog Friedrich III. brach noch 1147 zu einem Kreuzzug in das Heilige Land auf, wobei er ein enger Vertrauter König Konrads war. 1149 kehrte er nach Schwaben zurück.

Konrad III. verstarb unerwartet am 15. Februar 1152 in Bamberg. Am 4. März 1152 wurde der Schwabenherzog Friedrich in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen König Friedrich I. gewählt und am 9. März in der Pfalzkapelle in Aachen gekrönt. Die Krönung zum Kaiser erfolgte am 18. Juni 1155 durch Papst Hadrian IV. in Rom. In Italien gab man ihm wegen seines rötlichen Bartes den Beinamen Barbarossa (barba „Bart“, rossa „rot/rötlich“).

1153 ließ Friedrich I. seine bis dahin kinderlose Ehe annulieren. Am 17. Juni 1156 heiratete er in Würzburg Beatrix von Burgund. Mit ihr hatte er die Kinder Beatrix, Friedrich (ab 1167 Herzog von Schwaben), Heinrich (als Heinrich VI. deutscher König und Kaiser und König von Sizilien) Konrad (als Friedrich V. ab 1169 Herzog von Schwaben), Otto, Konrad, Philip und weitere früh verstorbene.

1184 rief Friedrich I. Barbarossa zum Mainzer Hoftag und demonstrierte die Macht der Staufer. Da wurde auch die Durchführung eines weiteren Kreuzzugs beschlossen. 1189 brach Friedrich I. zum Dritten Kreuzzug auf. Die Regentschaft im Reich übertrug er seinem Sohn Heinrich VI.

An der Donau entlang zog das Kreuzfahrerheer über den Balkan. Gegen den Widerstand des byzantinischen Kaisers Isaak II. Angelos erzwang er die Überfahrt nach Kleinasien. Am 10. Juni 1190 kam er bei der Stadt Seleucia zu Tode. Die genauen Umstände des Todes sind ungeklärt. So wird berichtet, dass er sich nach scharfem Ritt durch ein Bad abkühlen wollte. Andere Überlieferungen berichten, dass er bei der Durchquerung des Flusses Saleph vom scheuenden Pferd abgeworfen und durch das Gewicht seiner Rüstung unter Wasser gezogen wurde.

 

Die Sagen um Friedrich I. Barbarossa

Schon Friedrich II. pflegte die Legendenbildung um Barbarossa. Im mittelalterlichen Volksglauben lebte Friedrich I. Barbarossa als Wahrer des Reiches weiter. Trifels, der Kyffhäuser oder Untersberg werden als Ruhestätten des Herrschers genannt. Dort soll er ausharren, bis das Reich ihn wieder braucht. Raben sollen seine Herberge umkreisen und würden ihn informieren, wenn seinem Reich Gefahr drohen sollte. Dann würde sich der Kaiser aus seinem ewigen Schlaf erheben und Ehre und Ruhm ins Reich zurück bringen.

Die Sage wurde vielfach aufgegriffen. Beispiele sind das Märchen „Der Schmied von Jüterbog“ von Ludwig Bechstein oder das Werk „Deutschland – Ein Wintermärchen“ von Heinrich Heine.

Nach 1871 wurde der Kyffhäuser-Mythos in den Dienst der der Herrscher des II. Deutschen Reiches gestellt. Zu Ehren des ersten Kaisers Wilhelm I. wurde 1896 das Kyffhäuserdenkmal eingeweiht, dem wohl so die Rolle des Erben von Friedrich I. Barbarossa zugewiesen werden sollte.

 

Friedrich II. (HRR)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
 
Friedrich II. mit seinem Falken. Aus seinem Buch „De arte venandi cum avibus“ („Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen“), Biblioteca Apostolica Vaticana, Rom (Pal. lat. 1071, fol. 1v, Süditalien/Sizilien 1258-1266)
 

Friedrich II. (* 26. Dezember 1194 in Jesi bei Ancona, Italien; † 13. Dezember 1250 in Castel Fiorentino bei Lucera, Italien) aus dem Geschlecht der Staufer war ab 1198 König von Sizilien, ab 1211/12 deutscher König und von 1220 bis zu seinem Tode Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Nach einem erfolgreichen Kreuzzug trug er 1229 außerdem die Krone des Königreichs Jerusalem.

Friedrich war der Sohn Kaiser Heinrichs VI. und dessen Gemahlin Konstanze von Sizilien. Auf Wunsch des Vaters und im Sinne von dessen Erbreichsplan war er bereits am Weihnachtstag des Jahres 1196, einen Tag vor seinem zweiten Geburtstag, erstmals zum „rex Romanorum“ gewählt worden. Nach Heinrichs Tod 1197 setzte im Reich jedoch Otto IV. aus dem Geschlecht der Welfen seinen Thronanspruch gegen den damals erst vierjährigen Friedrich durch. Erst die ungewöhnliche zweite Wahl zum König im Jahre 1211 ebnete Friedrich den Weg zu den Königskrönungen von 1212 und 1215 in Mainz und Aachen. Seit dem Tode Ottos IV. im Jahre 1218 war er unangefochten als König anerkannt, seit 1219 auch von den Welfen, die ihm die Reichsinsignien übergaben. 1220 folgte die Kaiserkrönung in Rom.

Der Kaiser, von Zeitgenossen „stupor mundi“ (deutsch: „Staunen der Welt“) genannt, war hochgebildet und sprach mehrere Sprachen: Neben seiner Muttersprache Italienisch beherrschte er das Lateinische sowie das Deutsche und verfügte womöglich auch über Grundkenntnisse des Arabischen. Darüber hinaus verstand er Französisch und vielleicht etwas Griechisch.[1] Er war vielseitig interessiert – an naturwissenschaftlichen, künstlerischen, philosophischen und theologischen Fragen – und verfasste ein wissenschaftliches Werk über die Falkenjagd.

Friedrich II. gilt allgemein als eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschen Herrschern des Mittelalters. Der Schweizer Kulturhistoriker Jacob Burckhardt bezeichnete ihn als den „ersten modernen Menschen auf dem Thron“. Diese Einschätzung beruht auf Friedrichs geistigem Format sowie auf der Tatsache, dass er zum Teil mit modern anmutenden Mitteln versuchte, das universelle Kaisertum zu behaupten. Mit seinem Tod beginnt aus Sicht der Geschichtswissenschaft das sogenannte Interregnum, die „kaiserlose Zeit“ im Heiligen Römischen Reich, die bis 1273 andauerte.

 

Kindheit und Jugend

 

Die Geburt Friedrichs II. in Jesi.
(Darstellung aus der Nuova Cronica des Giovanni Villani, 14. Jahrhundert)
 
 

Friedrich II. wurde einen Tag nach der Krönung seines Vaters Heinrichs VI. zum König von Sizilien geboren. Da seine Mutter bereits fast 40 Jahre alt und zuvor neun Jahre kinderlos geblieben war, wurden erhebliche Zweifel an ihrer Schwangerschaft laut, zumal der Sohn Heinrichs VI. als einziger legitimer männlicher Enkel Friedrich Barbarossas die Fortsetzung der sich genealogisch verengenden staufischen Hauptlinie darstellte. Es ist unwahrscheinlich, dass Friedrich tatsächlich, wie später behauptet wurde, in aller Öffentlichkeit – auf dem Marktplatz in einem Zelt vor der Kirche von Jesi – zur Welt kam. Angeblich sollen 19 Bischöfe und Kardinäle Zeugen dieses Ereignisses gewesen sein. Es wurden bald Gerüchte laut, das Kind sei untergeschoben und stamme in Wirklichkeit von einem Metzger. Auch ist es fraglich, ob die Kaiserin ihren Sohn zunächst Konstantin nannte, wie einige Chronisten behaupteten. Bei seiner Taufe (Ende 1196 oder Anfang 1197) in der Kathedrale von Assisi erhielt er die Namen seiner Großväter Friedrich Roger (Fridericus/F[r]edericus Rogerius).

Auf dem Hoftag in Worms im Dezember 1195 lehnten es die Fürsten ab, Heinrichs Sohn im Rahmen der Kreuzzugsvorbereitungen zum deutschen König zu wählen. Im Februar 1196 schlug Heinrich auf dem Mainzer Hoftag den Fürsten seinen Erbreichsplan vor, nach dem sie ihr Wahlrecht verlieren sollten und das Königsamt erblich werden sollte. Als Gegenleistung sollten auch die Reichslehen der Fürsten erblich werden und für den Episkopat die Spolien abgeschafft werden. Die Fürsten widersprachen diesem Plan zunächst, akzeptierten ihn aber nach massiven Drohungen Heinrichs im April auf dem Reichstag in Würzburg. Gleichzeitig verhandelte Heinrich mit Papst Coelestin III., um dessen Verzicht auf das Recht zur Kaiserkrönung zu erlangen. Der Papst ließ sich darauf nicht ein, und während dieser Verhandlungen widerriefen auch die Fürsten in Erfurt ihre Zustimmung, um am Weihnachtsfest 1196 doch noch endgültig einzuwilligen. Am 25. Dezember 1196, einen Tag vor seinem zweiten Geburtstag, erreichte es der Kaiser allerdings, dass die deutschen Fürsten den zweijährigen Friedrich zum römisch-deutschen König wählten.

Als Heinrich im darauf folgenden Jahr während der Vorbereitungen eines Kreuzzuges starb, wurde Friedrich II. aufgrund seines Kindesalters innerhalb des Reiches nicht anerkannt. Lediglich einige bereits im Heiligen Land befindliche Fürsten erneuerten ihren Treueeid auf ihn. Heinrichs VI. Bruder Philipp von Schwaben weigerte sich zunächst, für sich selbst um die deutsche Königskrone zu kämpfen, und wollte den Thron für seinen Neffen frei halten. Zuvor hatte Philipp versucht, Friedrich nach Deutschland zu holen (er befand sich in Foligno in der Obhut der Herzogin von Spoleto), was misslungen war. Als jedoch die welfische Seite Otto IV. von Braunschweig als Nachfolger für Heinrich ins Spiel brachte und so zahlreiche Anhänger sammelte, ließ sich Philipp im März 1198 zum König wählen. Kurz darauf wurde auch Otto zum König gewählt, so dass es zwei konkurrierende Amtsinhaber in Deutschland gab, von denen sich zunächst keiner durchsetzte.

In Sizilien übernahm Friedrichs Mutter Konstanze von Sizilien die Regentschaft, leistete den Lehnseid auf den Papst und verzichtete damit auch für ihren Sohn auf das deutsche Königtum. Damit waren Sizilien und das Reich wieder zwei getrennte Territorien. Am 17. Mai 1198 wurde Friedrich in Palermo zum König von Sizilien gekrönt. Im selben Jahr, am 28. November, starb seine Mutter. Testamentarisch hatte sie den neu gewählten Papst Innozenz III. zu seinem Vormund bestimmt. Innozenz nutzte diese Position, die er bis zu Friedrichs 14. Geburtstag 1208 innehatte, um kaiserliche Rechte in Italien abzubauen und die päpstliche Macht zu stärken.

Der Legende zufolge wuchs er in Palermo, wohin der Dreijährige nach dem Tod seiner Mutter gebracht worden war, recht freizügig auf, fast wie ein Gassenjunge – was jedoch eher unwahrscheinlich ist und deshalb heute auch stark bezweifelt wird. Das Klima der weltoffenen Hafenstadt mit ihren vielfältigen griechischen und arabischen Einflüssen soll die besondere Persönlichkeit des späteren Kaisers mitgeformt haben. In den folgenden Jahren stritten verschiedene Parteien um die Einflussnahme in Sizilien: die von Konstanze entmachteten staufischen Beamten und Würdenträger, Heerführer und päpstliche Legaten. 1201 wurde Palermo von Reichstruchsess Markward von Annweiler besetzt, der im Auftrag Philipps im Süden operierte. Friedrich wurde bis zum Tod Markwards 1202 von diesem „erzogen“, nachdem dieser ihn 1201 hatte entführen lassen. Markward legte diese Entführung seinerseits als „Befreiung“ aus. Friedrich befand sich daher eher in einer Art Sicherungsverwahrung als in einer vormundschaftlichen Beziehung. Nach dem Tod Markwards wurde Friedrich von Wilhelm Capparone bevormundet, der schließlich von Walter von Pagliara abgelöst wurde; es war offenbar eine recht chaotische, fast anarchisch anmutende Zeit für den jungen König.

Papst Innozenz III. vermittelte dem 14-jährigen Staufer 1208 eine Ehe mit der 25-jährigen Konstanze, einer Schwester von König Peter II. von Aragón und Witwe des ungarischen Königs Emmerich. Friedrich musste allerdings zusichern, dass Sizilien an Aragon fallen würde, falls er ohne männlichen Erben sterben sollte. Die am 5./15. August 1209 in Messina geschlossene Ehe schien zu beiderseitigem Gefallen zu sein; zudem brachte Konstanze ein Kontingent aragonesischer Ritter mit, die eine nicht unerhebliche Verstärkung darstellten. Konstanze gebar schon bald (1211) Friedrichs ersten Sohn Heinrich.

Der inzwischen volljährige Friedrich (sog. pubertate superveniente) war im Dezember 1208 aus der Vormundschaft des Papstes entlassen worden und er versuchte nun mit Hilfe der katalanischen Ritter, die als Konstanzes Mitgift nach Sizilien gekommen waren, Königsgüter wieder unter seine Kontrolle zu bekommen, die sich die Adligen Siziliens angeeignet hatten. Dies löste einen umfassenden Aufstand des sizilianischen Adels aus. Als Reaktion auf die Herrschaftsübernahme Friedrichs II. zog Otto IV., der seit dem Tod Philipps 1208 schließlich uneingeschränkt geherrscht hatte, nach Süden. Innozenz schwankte zu diesem Zeitpunkt zwischen einer Unterstützung für Friedrich und einer für Otto. Sein Ziel war es, Sizilien auf Dauer vom deutschen Reichsteil loszulösen. Als Otto nach seiner Kaiserkrönung 1209 jedoch eine entsprechende Zusage, die er dem Papst gegeben hatte, brach und eine Invasion des sizilianischen Königreiches vorbereitete, bannte Innozenz ihn und schlug sich, auch auf den entsprechenden Rat des französischen Königs Philipp August, auf die Seite Friedrichs.

 

Das Kind aus Apulien – der Weg Friedrichs zum Kaisertum

 

Konstanze von Sizilien übergibt ihren Sohn, den späteren Thronfolger Friedrich II., in Jesi an die Herzogin von Spoleto zur Erziehung. Ausschnitt aus dem Liber ad honorem Augusti, des Petrus von Eboli (zwischen 1194 und 1197). Bern, Burgerbibliothek, Codex 120. II, fol. 138r.
 

Nachdem Philipp von Schwaben tot und Otto IV. gebannt war, wurde Friedrich II. im Sommer 1211 auf Betreiben des Papstes von einem anti-welfisch gesinnten Kreis süd- und mitteldeutscher Fürsten in Nürnberg zum Kaiser gewählt. Die ungewöhnliche Verwendung dieses Titels bei der sonst üblichen Wahl des Königs durch deutsche Fürsten geht wohl direkt auf Innozenz III. zurück.

Friedrich nahm die Wahl an, obwohl viele Verbündete in Sizilien ihm davon abrieten. Vermutlich wollte der junge König durch diesen Schritt in erster Linie die drohende Invasion Siziliens durch Otto abwenden. Obwohl der Papst Friedrichs Erfolgsaussichten gering eingeschätzt haben dürfte, da er ja im Erfolgsfall die Umklammerung des Patrimonium Petri durch die Verbindung zwischen Kaisermacht und Königreich Sizilien erneut heraufbeschwor, verlangte er trotzdem, dass Friedrichs Sohn Heinrich – wohl Anfang März 1212 – zum König von Sizilien gekrönt wurde, bevor Friedrich II. nach Deutschland aufbrach, und betonte so die Unabhängigkeit des Königreichs Sizilien.

In Rom wurde Friedrich von der Bevölkerung mit Begeisterung empfangen. Mit geliehenem Geld aus französischen Quellen und ohne große Gefolgschaft reiste Friedrich weiter. Erst ab Chur hatte er eine militärische Eskorte. Nachdem Friedrich mit großer Mühe die Alpen überwunden hatte – der Brennerpass war von feindlichen Truppen besetzt – kam er in Konstanz an. Die Stadt bereitete sich gerade auf den Empfang Ottos IV. vor und wollte den jungen Staufer nicht einlassen. Nach feierlichem Verlesen der Bannbulle des Papstes durch Legat Erzbischof Berard von Bari wurden ihm jedoch die Tore der Bischofsstadt geöffnet. Otto, der inzwischen in Überlingen auf die Fähre gewartet hatte, kam drei Stunden später vor die Stadttore und wurde zurückgewiesen. In Konstanz begann der Siegeszug Friedrichs durch das Oberrheintal. Mit großzügigen Versprechungen und Schenkungen gewann er den Süden des Reiches, der ohnehin traditionell staufisch gesinnt war. Zahlreiche Fürsten wechselten auf seine Seite. Im August 1212 starb Ottos Frau, Friedrichs Cousine Beatrix, die der Welfe erst drei Wochen zuvor geheiratet hatte und die seinen Anspruch auf das Staufer-Erbe gestützt hatte. Daraufhin zog sich Otto nach Köln zurück, um sich für einen neuen Anlauf vorzubereiten.

Am 5. Dezember 1212 ließ sich Friedrich II. in einer Nachwahl in Frankfurt am Main von einer größeren Anzahl Fürsten als König bestätigen. Am 9. Dezember wurde er im Mainzer Dom durch den Mainzer Erzbischof Siegfried II. von Eppstein gekrönt – allerdings mit nachgebildeten Insignien. In der Folgezeit wurde Friedrich, dem chint aus Pulle (Kind aus Apulien), vorgeworfen, er sei bloß ein Pfaffenkönig, also ein vom Papst abhängiger Monarch, zumal er dem Papst die Wiederherstellung und den Erhalt der Rechte der Kirche zugesichert hatte. Wichtigstes Dokument dieser Zugeständnisse war 1213 die Goldbulle von Eger. Als Gegenleistung sagte der Papst zu, Friedrichs Herrschaftsanspruch auch in den Gebieten durchzusetzen, die noch auf der welfischen Seite standen.

Der Machtkampf zwischen dem Staufer und dem Welfen wurde 1214 durch die Schlacht bei Bouvines entschieden, in der ein welfisch-englisches Heer den Franzosen unterlag. Grund für die Einbeziehung der Engländer und der Franzosen war ein Streit zwischen Innozenz III. und dem englischen König Johann Ohneland. Innozenz hatte den französischen König beauftragt, England zu erobern, worauf sich Johann mit den Welfen verbündete, um Friedrich, den Verbündeten des Papstes und der Franzosen, militärisch zu schlagen. Philipp II. August von Frankreich schickte Friedrich die erbeutete goldene Kaiserstandarte. Nach der Ausschaltung Ottos ging Friedrich II. verstärkt gegen die Städte am Niederrhein vor, die ihn zum Teil nicht anerkannten. Am 23. Juli 1215 wurde er in Aachen, wiederum durch den Mainzer Erzbischof, zum römisch-deutschen König gekrönt. Gleichzeitig ließ er die Gebeine Karls des Großen umbetten und gab gegenüber Hugo von Ostia ein Kreuzzugsversprechen für Anfang 1219 ab.

Otto IV. hatte nicht nur eine militärische Niederlage erlitten, sondern nach der Unterstützung vieler Reichsfürsten auch die der Engländer verloren. Auf dem Vierten Laterankonzil bestätigte Innozenz die Wahl Friedrichs zum Kaiser. Friedrich selbst holte seine Frau und seinen Sohn nach Deutschland nach, entzog ihnen den sizilianischen Königstitel und nahm ihn selbst an. Der fünfjährige Heinrich (VII.) erhielt das Herzogtum Schwaben und das Rektorat über Burgund.

Mitte 1219 begann der neue Papst Honorius III. mit Friedrich über den Beginn des verschobenen Kreuzzugs zu verhandeln. Der Termin wurde schließlich auf den 21. März 1220 festgesetzt. Doch Friedrich hielt diesen Zeitplan nicht ein, zumal es weitere langwierige Verhandlungen zwischen ihm und dem Papst über den Status Siziliens gab. Ende April 1220 ließ Friedrich seinen Sohn Heinrich in Frankfurt gegen den Willen einer starken Adelsopposition zum König der Römer wählen. Im Gegenzug musste er den deutschen Bischöfen eine Reihe von Regalien zugestehen; diese wurden in der Confoederatio cum principibus ecclesiasticis festgelegt. Honorius erkannte diese Wahl nicht an und sprach Heinrich auch den sizilianischen Königstitel ab. Friedrich brach im August nach Italien auf. Seine Kaiserkrönung erreichte er gegen das Versprechen, zwar Sizilien und das Reich zu regieren, Sizilien aber lediglich mit der Legitimation durch das Erbe seiner Mutter und nicht durch den Kaisertitel.

Am 22. November 1220 wurde Friedrich II. schließlich in Rom von Honorius zum Kaiser gekrönt. Ob dabei der sogenannte Krönungsmantel verwendet wurde, ist nicht geklärt, da dieser vor 1246 nie in Quellen erwähnt wurde. Die neuere Forschung geht davon aus, dass Friedrich bei dieser Gelegenheit den in der Kathedrale von Metz aufbewahrten Mantel mit vier nimbierten Adlern trug.

Heinrich (VII.), seine Vormünder sowie Reichsministerialen übernahmen während Friedrichs langer Aufenthalte in Italien die Verwaltung Deutschlands. Als Reichsverweser wurde Ende 1220 Erzbischof Engelbert I. von Köln eingesetzt, der dadurch eine zentrale Rolle einnahm. Weitere wichtige Vertreter Friedrichs waren die Erzbischöfe von Mainz und Trier sowie Bischof Konrad von Metz und Otto von Würzburg, später auch Leopold VI. von Österreich, der Schwiegervater Heinrichs (VII.).

Bereits während seines ersten Aufenthalts in Deutschland bemühte sich Friedrich II., das Reichsgut wieder herzustellen, das während des Thronstreits stark geschrumpft war. Diese Politik setzte er auch später fort. Große Territorialgewinne machte er durch das Erbe der ausgestorbenen Zähringer, das unter anderem die Alpenübergänge in Süddeutschland in königliche Hand brachte. Darüber hinaus gründete Friedrich 39 Städte, vor allem im Südwesten Deutschlands. Durch mehrere Stadtgründungen auf kirchlichem Territorium versuchte Friedrich außerdem, die Macht des jeweiligen klerikalen Landesherren auszuhöhlen.

 

Die Reorganisation des Königreichs Sizilien

 

 

Trotz seiner Titel als Rex Romanorum und als römisch-deutscher Kaiser hielt sich Friedrich die meiste Zeit seines Lebens in Apulien und Sizilien auf, so von 1221 bis 1235 und von 1237 bis 1250. Während dieser Zeit ließ er sich in Deutschland durch seine Söhne vertreten. In Sizilien und Apulien organisierte er den ersten modernen Beamtenstaat und zentralisierte die Verwaltung nach byzantinischem Vorbild.

Unmittelbar nach seiner Kaiserkrönung zog Friedrich II. 1220 mit nur kleinem Gefolge nach Sizilien. Durch Beschränkung der Anzahl seiner Begleiter hielt er so sein Versprechen, in Sizilien keine landesfremden Gefolgsleute einzusetzen. In Capua erließ er Assisen, Gesetze, die die Adelsfehden beenden und den Landfrieden wieder herstellen sollten. Darüber hinaus erklärte er alle Schenkungen und Privilegien für ungültig, die seit 1189 erteilt worden waren. Alle übrigen Privilegien mussten durch die königliche Kanzlei neu bestätigt werden. Sämtliche in den zurückliegenden 20 Jahren erbauten Burgen zog der König ein. Dadurch erhielt Friedrich eine Reihe befestigter Stützpunkte in seinem Königreich und seine Verwaltung einen Überblick über die Kronrechte in Sizilien. Insgesamt wurden die Entscheidungsmöglichkeiten der Barone stark eingeschränkt, vor allem was das Heirats- und Erbrecht sowie die Vergabe von Afterlehen betraf. Den daraus erwachsenden Widerstand der Adligen zerschlug Friedrich II. im Verlauf der folgenden zwei Jahre mit der Unterstützung kleinerer Landadliger, die er danach in einem zweiten Schritt ebenfalls in ihren Rechten einschränkte. Honorius III., der sich als Lehnsherr Siziliens sah, protestierte gegen dieses Vorgehen Friedrichs, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Im Mai 1221 erließ Friedrich in Messina eine weitere Assise, die die Bevorzugung auswärtiger Händler verbot, was vor allem die Seemächte Genua und Pisa traf. Zugleich startete er ein Flottenbauprogramm und weitete die königliche Kontrolle über den sizilianischen Handel aus. 1222 bis 1224 besiegte er die letzten Sarazenen in den zentralen Gebieten der Insel. Sie wurden nach Nordapulien umgesiedelt, wo sie als Arbeitskräfte auf den Krongütern und als Kämpfer in den Auseinandersetzungen mit dem Papst eingesetzt wurden und in Lucera bis 1300 ein Zentrum des Islam in Italien bildeten.

Friedrich ließ in Süditalien mehrere Schlösser bauen, darunter das berühmte Castel del Monte bei Andria in Apulien. Er gründete 1224 die Universität Neapel, die heutige Università Federico II, die die Aufgabe hatte, Beamte für den Staat auszubilden. Einwohner seines Königreichs wurden verpflichtet, nur in Neapel zu studieren. 1226 erfolgte die Gründung der Universität für Apotheker (Pharmacognosia) in Salerno, die zusätzlich die Aufsicht über das Medizin- und Arzneiwesen übernahm. 1246 schrieb er das Buch Über die Kunst mit Vögeln zu jagen, eine Unterweisung in die Falkenjagd; außerdem führte er das Rechnen mit der Null ein.

Friedrichs Versuche, auch die Kirche in Sizilien unter seine Kontrolle zu bringen, blieben weitgehend erfolglos. Mit einer weiteren Assise wollte er das Ansammeln von Landbesitz in der „toten Hand“ zurückdrängen. Auf massiven Widerstand, nicht nur aus der Kirche, stieß sein Vorhaben, auch das Recht der Besetzung der 150 Bistümer im Königreich an sich zu ziehen. Die darauf folgenden Auseinandersetzungen wurden immer schärfer und fielen mit dem Streit über den Kreuzzug zusammen, der schließlich zur Exkommunikation Friedrichs führte.

 

Der gebannte Kreuzfahrer

 

Goldaugustale von Friedrich II., geprägt in Messina nach 1231. (Die Münze mit einem Durchmesser von etwa 20 Millimetern ist unter anderem in der Münzsammlung des Nationalmuseums in Ravenna ausgestellt.)
 

Ein Schwerpunkt von Friedrichs II. Politik in Deutschland war der Norden. Nachdem Heinrich der Löwe seine Macht verloren hatte, war es Knut VI. von Dänemark gelungen, seinen Einflussbereich vor allem in Richtung Baltikum zu vergrößern. 1223 setzte Heinrich von Schwerin den dänischen König Waldemar II. gefangen. Das nutzte Friedrich II. aus, um gegen Dänemark vorzugehen: Er verbündete sich mit Bremen und Adligen aus dem Hinterland der Stadt. Darüber hinaus stellte er 1224 die gerade erst christianisierten Balten unter seinen Schutz. Dieser Schritt stieß auf Widerstand Honorius' III., der die Schutzherrschaft über die Balten für sich beanspruchte.

Als Reaktion auf den Protest des Papstes ermächtigte Friedrich 1226 den Deutschen Orden unter dessen Hochmeister und seinem Vertrauten, Hermann von Salza, mit der Goldenen Bulle von Rimini, im Baltikum aktiv zu werden und dort die vordringenden Pruzzen zu bekämpfen. Dieses Vorhaben unterstützte der polnische Herzog Konrad von Masowien, indem er dem Orden das Kulmer Land als Basis zur Verfügung stellte. Damit durchkreuzte der Kaiser erneut die Absichten des Papstes in der Region.

Friedrich hatte sich selbst gegenüber dem Papst zum Kreuzzug in das Heilige Land verpflichtet. Am 9. November 1225 hatte er in Brindisi die Königin von Jerusalem, Isabella II. (Jolande), geheiratet und sich selbst am gleichen Tag zum König von Jerusalem erklärt. Isabella starb bereits 1228 bei der Geburt des späteren Konrad IV., hatte aber damit den Anspruch auf Jerusalem an die staufische Dynastie weitergegeben. Als Friedrich II. den Kreuzzug wegen einer Seuche im August 1227 abermals verschob, wurde er in Berufung auf den ersten Vertrag von San Germano (Cassino (Latium)), in dem er sich 1225 dazu verpflichtet hatte, die Kreuzfahrt bis August 1227 anzutreten, von Papst Gregor IX. gebannt. Allerdings waren der verzögerte Kreuzzug und sein Vorgehen im Baltikum nicht die ausschließlichen Gründe für den Bruch zwischen Papst und Kaiser. Mindestens ebenso bedeutsam waren Friedrichs Versuche, in die Kirchenstruktur Siziliens einzugreifen, und der Versuch, einen Reichstag zu Ostern 1226 nach Cremona einzuberufen – der auch nie stattfand. Im Vorfeld dieses Reichstages hatte Friedrich mehrere päpstliche Territorien zu Reichslehen erklärt und war mit sizilianischen Truppen in Oberitalien aktiv geworden.

Ungeachtet des Bannes brach er 1228 zum Fünften Kreuzzug auf, was ihm als Gebanntem eigentlich verboten gewesen wäre. Der Papst verschärfte daraufhin den Bann, indem er den Adel in Sizilien und im Reich von seinem Treueeid entband. Im Sommer 1228 stellte Friedrich die Reichslehenschaft über Zypern wieder her. Im Heiligen Land fand Friedrich nur wenig Unterstützung, gleichzeitig bereitete der Papst einen Einmarsch in Reichsgebiet in Oberitalien vor. Damit waren militärische Operationen für Friedrich unmöglich und seine Rückkehr nach Italien dringend nötig. Allerdings scheint er Kämpfe gegen die Muslime auch gar nicht angestrebt, sondern frühzeitig mit Sultan al-Kamil von Kairo diplomatischen Kontakt aufgenommen zu haben. Statt durch Waffengewalt erreichte Friedrich in fünfmonatigen Verhandlungen mit dem Sultan einen Friedensvertrag, den Frieden von Jaffa, und damit die christliche Hoheit über weite Teile der Stadt. Während der Verhandlungen lud ihn der Sultan nach Jerusalem ein. Als der Muezzin aus Rücksicht auf Friedrich II. seinen morgendlichen Ruf zum Gebet nicht erschallen ließ, stellte ihn der Kaiser angeblich mit den Worten zur Rede: „Ich habe in Jerusalem übernachtet, um dem Gebetsruf der Muslime und ihrem Lob Gottes zu lauschen.“ Die Stadt wurde mit Ausnahme des alten Tempelbezirks, aber unter Einschluss von Betlehem und Nazaret per Vertrag den Christen übergeben, die außerdem einen Korridor zur Küste erhielten. Darüber hinaus wurde ein zehnjähriger Waffenstillstand vereinbart. Sowohl auf christlicher als auch auf muslimischer Seite stieß das Abkommen auf breite Ablehnung. Der lateinische Patriarch Gerold verhängte das Interdikt über ganz Jerusalem, für den Fall, dass Friedrich II. die Stadt betreten würde.

Davon ließ der Kaiser sich nicht abhalten: Obwohl gebannt, setzte er sich am 18. März 1229 in der Grabeskirche die Krone des Königreichs Jerusalem auf das Haupt. Der rechtliche Charakter dieser Selbstkrönung ist nicht zweifelsfrei geklärt und war auch unter den Zeitgenossen umstritten. Die sonst erforderliche Mitwirkung von Geistlichen war wegen des Interdikts unmöglich, so dass es sich bei dem Akt kaum um eine übliche Krönung als Herrschaftsbeginn gehandelt haben kann. Es spricht dagegen einiges dafür, dass Friedrich dieses Gehen unter der Krone eher als symbolische Bestätigung seiner Herrschaft über das Königreich Jerusalem verstand. Die Krönung wurde von den einheimischen Baronen nicht anerkannt, da Friedrich aus ihrer Sicht höchstens als Regent für seinen Sohn Konrad hätte tätig werden dürfen. Es dauerte allerdings bis zum 17. Juli 1245, bis der Papst Friedrich für abgesetzt erklärte. Der Kaiser selbst verließ nach der Krönung schleunigst das Heilige Land, wo er zu diesem Zeitpunkt keinerlei Rückhalt mehr hatte. In Akkon brachte er den Kreuzfahrer-Adel nach zähen Verhandlungen dazu, Konrad als König anzuerkennen, bevor er eilig nach Brindisi aufbrach.

Nach seiner Rückkehr aus Palästina bekämpfte er die päpstlichen Truppen, die in das sizilianische Regnum eingefallen waren, und sicherte sein Territorium vergleichsweise schnell wieder ab. Noch während der Kämpfe nahm Hermann von Salza Vermittlungsgespräche mit dem Papst auf, um die Lösung des Banns zu erreichen. Im zweiten Vertrag von San Germano vom Juli 1230 machte Friedrich dem Papst eine Reihe von Zugeständnissen, unter anderem die Freiheit kirchlicher Wahlen, die Wiedereinsetzung von kirchlichen Amtsträgern, die Friedrich gebannt hatte, die Unantastbarkeit von Klerikern durch die weltliche Rechtsprechung, die Steuerbefreiung der Kirche und einen Verzicht auf alle Ansprüche im Kirchenstaat. Dafür sagte Gregor IX. die Aufhebung des Banns zu, was er im Folgejahr auch ausführte. Friedrich missachtete allerdings weitgehend die Vertragsvereinbarungen, was neues Konfliktpotential mit dem Papst barg.

Zu Friedrichs Anhängern in Deutschland zählten auch die Bischöfe Ekbert von Bamberg und später dessen Neffe Poppo von Bamberg, in deren Dom wohl kurz vor oder um 1237 der waffenlose Bamberger Reiter aufgestellt wurde. In diesem Reiterstandbild vermuten Forscher ein Krypto-Porträt Friedrichs II., wobei der Reiter wohl hauptsächlich den wiederkehrenden Messias nach der Offenbarung des Johannes 19,10–16 darstellen sollte, der allein mit dem Hauch seines Mundes, also mit Gottes Wort, die Feinde des Christentums vernichtet. Mehrere Theologen hatten sich bereits gegen bewaffnete Kreuzzüge gewandt.

 

Konflikte in Deutschland und mit dem Papst

 

1231 überwarf sich Friedrich endgültig mit seinem Sohn Heinrich (VII.). Grund war das Vorgehen Heinrichs gegen die Fürsten. Es ähnelte zwar in weiten Teilen dem seines Vaters während des ersten Aufenthalts in Deutschland und danach in Sizilien, zu diesem Zeitpunkt und angesichts der Auseinandersetzung mit dem Papst stand es aber im Widerspruch zu Friedrichs Versuchen, das Einvernehmen der Fürsten zu gewinnen. Heinrich hatte ihnen auf Druck von Gregor IX. 1231 weitreichende Rechte verbriefen müssen, die Friedrich notgedrungen im Rahmen der Verhandlungen um den Frieden von San Germano bestätigte (so genanntes Statutum in favorem principum).

 

Heirat Kaiser Friedrichs II. 1235 mit Isabella von England. (Darstellung aus der Chronica Maiora des Matthew Paris, um 1250, London, British Library, MS Royal 14 C VII, fol. 123v)
 

Heinrich betrieb jedoch weiter eine harte Politik den Fürsten gegenüber, auf die Friedrich reagierte, indem er mehrmals Erlasse seines Sohnes für ungültig erklärte. Doch auch der Kaiser selbst schuf sich in dieser Zeit neue Feinde unter den Adligen, vor allem, als er 1232 das Reichskloster Lorsch dem Mainzer Erzbistum schenkte und so den Lorscher Vogt Otto II. und mit ihm die Familie der Wittelsbacher gegen sich aufbrachte. Heinrich verbündete sich schließlich mit den lombardischen Städten und mehreren kaiserfeindlichen deutschen Adligen, unter anderem den Bischöfen von Augsburg, Würzburg, Worms, Speyer und Straßburg sowie mit dem Abt des Klosters Fulda. Wie zuvor für den Fall des Ungehorsams vereinbart, bannte Gregor IX. den Kaisersohn, und Friedrich zog von Italien zurück nach Deutschland. Der Aufstand brach in sich zusammen, sobald Friedrich im Land war. Fast ohne Kämpfe strömten dem populären Kaiser Unterstützer zu. Über Heinrich saß Friedrich 1235 in Worms zu Gericht. Seine Verbündeten wurden begnadigt, der Kaisersohn selbst aber abgesetzt und in Sizilien eingekerkert. Zudem heiratete Friedrich im Wormser Dom seine vierte Ehefrau Isabella Plantagenet, genannt Isabella von England oder Elisabeth.

Im August des gleichen Jahres verkündete Friedrich auf dem Reichstag von Mainz einen Landfrieden. Der Reichstag sollte dazu dienen, die Zerrüttung durch den Aufstand Heinrichs (VII.) zu beheben. Zentraler Punkt aller Beschlüsse war die Betonung der königlichen Hoheit über alle Regalien, um der fürstlichen Aneignung dieser Rechte einen Riegel vorzuschieben. Außerdem betonte Friedrich seine Position als oberster Gerichtsherr und richtete das Amt eines Reichshofrichters ein. Vorbild für die Reorganisation im Reich waren Friedrichs Neuerungen in Sizilien. Allerdings konnte er seine Vorstellungen gegen die machtbewussten deutschen Fürsten nur zum Teil durchsetzen. Zumindest beeideten sie ihre Teilnahme an einem geplanten Italienzug. Die im folgenden Jahr entworfene zentrale Finanzverwaltung wurde nie real umgesetzt. Neben dem Landfrieden und seinen Regelungen für die Reichsstruktur war die Aussöhnung mit den Welfen die wichtigste Konsequenz des Reichstags. Friedrich nahm Otto von Lüneburg in den Reichsfürstenstand auf und rief damit das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg ins Leben.

Friedrich II. ließ schließlich seinen Sohn Konrad IV., 1237 in Wien zum neuen römisch-deutschen König und zum zukünftigen Kaiser wählen, nachdem ein erster Versuch dazu auf dem Mainzer Hoftag gescheitert war. Während Friedrich in Deutschland mit dem Einvernehmen des Papstes gegen Heinrich (VII.) vorging, gerieten beider Interessen in den sizilianischen Angelegenheiten wieder in Konflikt. Gregor IX. plante, eine Gesetzessammlung für Sizilien erstellen zu lassen. Dem wollte Friedrich zuvorkommen, um die eigene Macht über Sizilien zu stützen und sich als Gesetzgeber zu profilieren. Deshalb ließ er hastig ein Gesetzeswerk erstellen, das 1231 als die Konstitutionen von Melfi verkündet wurde, wegen der kurzen Vorbereitungszeit aber in den beiden Folgejahren jeweils einmal ergänzt wurde. Als Gesetzgeber stellte Friedrich sich in die Tradition antiker römischer Herrscher.

Der Anspruch Friedrichs auf die Lombardei und Mailand läutete die letzte heiße Phase im Konflikt zwischen dem Kaiser und der Kurie ein, die stark eschatologische Züge trug. 1236 erklärte Friedrich II. den Reichskrieg gegen die Kommunen. Die Lombarden wollten ihren Bund nicht, wie vom Kaiser gefordert, auflösen. Bis in den Herbst 1237 erreichte keine der beiden Kriegsparteien eine militärische Entscheidung. Am 27. November kam es dann zu einer großen Feldschlacht bei Cortenuova, die der Kaiser für sich entschied. Von Mailand, der wichtigsten Stadt im Lombardenbund, verlangte Friedrich die bedingungslose Unterwerfung, was verweigert wurde. Obwohl sein Heer nach dem Schlachtensieg durch zahlreiche hinzuströmende Söldner verstärkt worden war, konnte Friedrich Mailand und die übrigen Städte nicht abschließend bezwingen.

In dieser Phase verschärfte sich der Konflikt mit dem Papst weiter: Enzio, der älteste, uneheliche Sohn Friedrichs, heiratete im Oktober 1238 die Erbin des größten Teils Sardiniens und nahm den Königstitel über die Insel an. Der Heilige Stuhl, der die Lehnshoheit über Sardinien beanspruchte, erkannte Enzio in dieser Funktion nicht an. Weit schwerer wog aber der Interessenkonflikt in der Byzanz-Politik. Zur Unterstützung des lateinischen Kaisers Balduin II. in seinem Kampf gegen die Griechen warb der Papst ab 1237 für einen Kreuzzug. Friedrich verhandelte gleichzeitig mit dem byzantinischen Kaiser Johannes III., dem Gegner Balduins. Nachdem Friedrich für seine Feldzüge in Italien byzantinische Söldner gestellt bekommen hatte, sperrte er im Gegenzug mehrere Häfen und ließ eine Kreuzzugs-Vorhut gefangensetzen, was den Aufbruch des Heeres deutlich verzögerte. Der Papst ging dagegen vor. Er unterstützte eine Propagandakampagne, die Friedrich als den Antichristen darstellte, vermittelte ein Bündnis zwischen Genua und Venedig, wodurch eine Flotte entstand, die Sizilien hätte bedrohen können, und besiegte die kaisertreue ghibellinische Adelspartei in Rom.

In dieser angespannten Situation starben Anfang 1239 kurz hintereinander Hermann von Salza und Kardinal Thomas von Capua, die bis dahin als Vermittler zwischen Kaiser und Papst gedient hatten. Weiter verschärft wurde die Auseinandersetzung durch einen Brief Friedrichs vom 10. März 1239 an das Kardinalskollegium, in dem er Gregor IX. offen des Bündnisses mit den aufständischen Lombarden beschuldigte. Der Papst veröffentlichte darauf eine erneute Bannbulle. Diese wurde, wohl um ein gegenteiliges Urteil der Kardinäle zu verhindern, schon kurz nach dem Eintreffen des Briefes des Kaisers bereits am Palmsonntag, dem 20. März 1239, und nicht, wie üblich, erst am Gründonnerstag veröffentlicht. Das Anathema listet unter vielen Vorwürfen auch den besonders schweren der Ketzerei auf, aber auch die angebliche Zugrunderichtung des päpstlich beanspruchten Sizilien durch Friedrich.

 

Offener Kampf zwischen Kaiser und Papst

 

Friedrich reagierte auf den Bann, indem er jegliche Rücksicht auf den päpstlichen Anspruch auf Sizilien fallen ließ, eine große Streitmacht aufstellte und die Verwaltung grundlegend umstrukturieren ließ: Die Insel Sizilien erhielt einen Generalkapitän und der festländische Teil einen Hofjustiziar als oberste zivile und militärische Beamte. Friedrich baute ein umfangreiches Spitzelsystem auf, ließ die Grenzen sperren und die dem Papst ergebenen Bettelorden ausweisen. Den einheimischen Geistlichen wurde untersagt, dem Interdikt Folge zu leisten, darüber hinaus besetzte Friedrich die Bischofsstühle komplett in eigener Entscheidung. Nach dem sizilianischen Vorbild organisierte der Kaiser auch Reichsitalien um. Es wurde in zehn Generalvikariate aufgeteilt und Enzio als Stellvertreter eingesetzt. Die Verwaltung übernahmen größtenteils Beamte aus Süditalien.

Die kaiserliche Kanzlei entwickelte in dieser Situation eine außergewöhnliche Aktivität. Nicht nur an die Kardinäle, sondern auch an die Bürger Roms und vor allem die Fürsten der Christenheit gingen pathetische Aufrufe in großer Zahl hinaus. Friedrich betonte dabei immer wieder deutlich, dass er der eigentlich Friedliebende sei. Nach einer auf verschiedene Stellen des Alten Testaments Bezug nehmenden Einleitung und einer sehr ausführlichen und tatsachenbezogenen Darstellung der Dinge aus Friedrichs II. Sicht heißt es in einem Brief an die Hohen des Reiches vom 20. April 1239:

„Du also, geliebter Fürst, und mit Dir alle Fürsten des Erdkreises, beklage nicht nur Uns, sondern die Kirche, die die Gemeinschaft aller Gläubigen ist! Ihr schlaffes Haupt, ihr Fürst, steht wie ein brüllender Löwe da, ihr Prophet ist rasend (Off. 19,20), ein ungetreuer Mann, ein Priester, der sein Heiligtum besudelt, der ohne Gerechtigkeit gegen das Gesetz handelt.“

Hierauf antwortete der Papst mit einem Rundschreiben an alle Könige, Fürsten und Bischöfe der Christenheit. Dieser Brief vom 21. Mai 1239 bedient sich farbiger Bilder der Apokalypse des Johannes und bezeichnet Friedrich als den wahrhaftigen Antichristen:

„Es steigt aus dem Meere die Bestie voller Namen der Lästerung, die mit den Tatzen des Bären und dem Rachen des Löwen wütet und mit den übrigen Gliedern wie ein Leopard ihren Mund zu Lästerungen des göttlichen Namens öffnet, die nicht aufhört, auf Gottes Zelt und die Heiligen, die in den Himmeln wohnen, die gleichen Speere zu schleudern.“

Erklären kann man den Einfluss solcher Briefe nur durch die damaligen chiliastischen Vorstellungen. Joachim von Floris (Joachim von Fiore), sagte für die Jahre vor 1260 Vorläufer des Antichristen und schließlich diesen selbst voraus. Von der einen Seite wurde Friedrich als der Messiaskaiser, der Papst hingegen als die große „Hure Babylon“ dargestellt. Die andere Seite meinte, den Kampf zwischen Antichrist und Engelpapst mitzuerleben.

Nach der Niederlage des Lombardenbundes 1237 bei Cortenuova hatte sich die Lage in Oberitalien keineswegs entspannt. Die neue Verwaltungsstruktur mit den Beamten aus dem sizilianischen Reichsteil sahen die Lombarden als Tyrannei des Kaisers und als Verletzung der städtischen Autonomie an, während Friedrich in Mittelitalien auf eine positivere Stimmung stieß. 1238 scheiterte Friedrich vor Brescia, im September 1239 vor den Mauern Mailands. Er versuchte daraufhin, die mittelitalienischen Städte, besonders im Herzogtum Spoleto und in den Marken Ancona, für sich zu gewinnen. Seit Sommer 1239 marschierte Friedrichs II. Sohn Enzio in seinem Auftrag in die beiden Provinzen ein. Die Eroberung Jesis, des Geburtsortes des Kaisers in den Marken, war nicht nur von symbolischer Bedeutung, sondern auch deswegen, weil es im strategisch wichtigen Raum an der nördlichen Grenze des Königreichs Sizilien lag. Bald darauf erschien Friedrich II. selbst, aber nicht als Eroberer, sondern als Befreier. Weihnachten 1239 predigte er in der Kathedrale von Pisa. Es folgten die Eroberung Viteas 1240 und ein gescheiterter Versuch, Rom einzunehmen.

1241 vereitelte Friedrich durch die Gefangennahme mehrerer Bischöfe in der Seeschlacht von Giglio ein von Papst Gregor IX. für Ostern nach Rom einberufenes Konzil. Dadurch verhinderte er, dass sich eine Versammlung von Kirchenfürsten gegen ihn aussprach und nicht nur, wie bisher, lediglich der Papst. Der Tod Gregors Ende August 1241 unterbrach zunächst den Konflikt, da Friedrich die Wahl eines neuen Papstes abwartete, die sich allerdings bis Juni 1243 hinzog. Der aus einer ghibellinischen Familie stammende neue Papst, Innozenz IV., galt als kaiserfreundlich, wurde aber, als er im Amt war, zu einem entschiedenen Verfechter des päpstlichen Machtanspruchs. Friedensverhandlungen wurden auf Drängen deutscher Fürsten und Ludwigs IX. von Frankreich aufgenommen und führten auch im März 1244 zu einem Vorvertrag. Darin verpflichtet Friedrich sich zum Rückzug aus dem Kirchenstaat, während der Papst den Bann aufheben sollte. Der wirkliche Friedensschluss scheiterte jedoch am Streit um die Lehnshoheit über Sizilien und die Lombardei sowie an der Frage, ob die lombardischen Städte in den Frieden mit einbezogen werden sollten. Innozenz IV. erneuerte daraufhin zu Ostern 1245 den Bann. Dennoch ergab sich noch einmal eine kurzfristige Annäherung: Als die Nachricht von der Eroberung Jerusalems durch den ägyptischen Sultan As-Salih in Europa eintraf, bot Friedrich dem Papst an, sofort zum Kreuzzug aufzubrechen, mindestens drei Jahre auf dieser Mission zu verbringen, den Kirchenstaat zu räumen und dem Papst die Regelung der Lage in der Lombardei zu überlassen. Die Frage, ob diese Angebote ernst gemeint waren, ist offen. Innozenz IV. stellte am 6. Mai 1245 Friedrich die Absolution in Aussicht, widerrief dies jedoch sofort wieder, als ihn Berichte von Übergriffen kaiserlicher Truppen auf den Kirchenstaat erreichten. Darauf floh der Papst von Genua nach Lyon, wohin er ein Konzil einberief und am 17. Juli 1245 den Kaiser und Enzio für abgesetzt erklärte. Als Gründe gab er Friedrichs Untreue als Lehnsmann, Friedensbruch, Gotteslästerung und Häresie an. Friedrich erkannte seinerseits die Absetzung nicht an.

In Deutschland versuchte der Kaiser unterdessen, das seit 1232 gespannte Verhältnis zu den Wittelsbachern zu verbessern. Dabei verletzte er aber territoriale Interessen des Mainzer Erzbischofs Siegfried III. Der bis dahin kaisertreue Erzbischof wechselte auf die päpstliche Seite. Zusammen mit dem Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden wurde Siegfried so der wichtigste Vertreter päpstlicher Interessen in Deutschland.

 

Die letzten Jahre – Rückschläge und Erfolge

 

Sarkophag Friedrichs II. im Dom von Palermo, im Hintergrund der Sarkophag Rogers II.
 

Einerseits wurde nach der Absetzung des Kaisers in Deutschland 1246 Heinrich Raspe auf Betreiben Siegfrieds von Mainz zum Gegenkönig gewählt. Siegfried selbst hoffte, dadurch die an Heinrich Raspe vergebene Grafschaft Hessen wieder zurückzubekommen. Nachdem Heinrich Raspe schon im folgenden Jahr gestorben war, setzte Herzog Heinrich II. von Brabant 1247 die Königserhebung seines Neffens Wilhelm von Holland durch. Dadurch wechselten die Fürsten am Unterrhein einheitlich in das stauferfeindliche Lager. Andererseits verheiratete Otto II. von Bayern seine Tochter mit Konrad IV. und wurde so der mächtigste Verbündete der Staufer.

In Italien ging Friedrich II. gegen die aufständischen Städte militärisch vor, betrieb aber gleichzeitig Verhandlungen mit dem Papst. Als er sich 1247 bereits auf dem Weg zu einem Treffen befand, fiel die strategisch wichtige Stadt Parma von ihm ab. Die Belagerung Parmas endete 1248 mit einer Niederlage für den Kaiser. Kurz darauf verbuchte er jedoch wieder militärische Erfolge. Eines wurde immer deutlicher: Militärisch war der Kaiser, anders als sein Großvater Barbarossa, nicht zu schlagen, zumal er noch immer auf die Einkünfte seines zentralisierten Königreiches Sizilien zählen konnte und es in den Kommunen zur Spaltung in kaisertreue (Ghibellinen) und kaiserfeindliche (Guelfen) Fraktionen kam. In dieser Lage versuchten seine Gegner 1246 ein Attentat, das aber scheiterte. Mehrere Vertraute des Kaisers, darunter auch der Kanzler Petrus de Vinea, wurden nach einem Anschlagsversuch 1249 eingekerkert und geblendet; er ist kurz darauf verstorben. Im Mai 1249 wurde Enzio von den Bolognesern nach der unglücklichen Schlacht von Fossalta gefangen genommen und dann 23 Jahre in Haft gesetzt, in der er 1272 46-jährig verstarb.

In dieser Phase schien alles auf eine Niederlage Friedrichs hinzudeuten, doch Anfang 1250 wendete sich das Blatt: In Deutschland hielt Konrad den Feldzug des Gegenkönigs Wilhelm auf, mehrere oberitalienische Städte wechselten auf die kaiserliche Seite. Der Papst geriet in eine bedrängte Lage und bot auf Anraten Ludwigs IX. Verhandlungen an. Friedrich war auf dem Weg zur Residenz von Innozenz IV. in Lyon, als er erkrankte und auf Castel Fiorentino (Gargano / Apulien), in einer Zisterzienserkutte gekleidet, am 13. Dezember 1250 – im Alter von 55 Jahren – verstarb. An welcher Krankheit er starb, ist nicht gesichert. Die Quellen sprechen von Fieber und Durchfall, was auf eine Ruhrerkrankung hinweisen könnte. Doch diese Krankheit passt nicht recht in die winterliche Jahreszeit hinein. Deshalb starb Friedrich wohl eher an Typhus, Paratyphus oder einer Blutvergiftung. Friedrichs Sarkophag aus rotem Porphyr steht im Dom von Palermo. Dort ruht er neben seinen Eltern Heinrich VI. und Konstanze sowie seinem Großvater mütterlicherseits, dem Normannenkönig Roger II., König von Sizilien.

In Sizilien und Süditalien konnte Friedrich II. zwar bis zu seinem Tode 1250 unangefochten seine Position verteidigen, in Deutschland gelang dies seinem Sohn Konrad gegen die genannten Gegenkönige jedoch immer weniger, obwohl noch bis zu Friedrichs Tod Süddeutschland von den Staufern gehalten wurde. Mit dem Tod Konrads vier Jahre später in Süditalien war die Zeit der Staufer in Deutschland endgültig vorbei. In Sizilien hingegen hielten sich seine Enkel noch bis 1268. Mit dem Tod Kaiser Friedrichs II. begann das so genannte Interregnum, in dem das Königtum noch mehr an Macht einbüßte. Die folgenden Machtkämpfe in Süditalien bis ins frühe 14. Jahrhundert führten letztendlich zum Zerfall des Königreichs Sizilien.

 

Die Rolle des Rechts in der Regierungszeit Friedrichs II.

 

Das Rechtssystem erhielt durch Friedrich II. entscheidende reformerische Impulse, die in die neuzeitliche Zukunft verwiesen, aber ganz der Idee des mittelalterlichen Universalherrschers verpflichtet waren: Die Assisen von Capua von 1220, aufbauend auf der unter seinem Großvater Roger II. begonnenen Rechtsreform (Assisen von Ariano 1140), und die Konstitutionen von Melfi aus dem Jahr 1231 trugen entscheidend zur normativen Positivierung von Recht und Staatsordnung bei und wirkten im europäischen Vergleich beispielgebend. In Sizilien hatten ihre Vorschriften mit zeitbedingten Modifikationen bis 1819 Geltung. Ihre volle Wirkung entfalteten diese Neuerungen jedoch nur auf sizilianischem Territorium: Nur dort stand dem Kaiser nach der Schaffung eines eigenen Beamtenstandes die Möglichkeit offen, seine Reformen ohne Rücksichtnahme auf die Interessen einer alteingesessenen Aristokratie umzusetzen.

Insgesamt spielte das römische Recht in der Politik Friedrichs II. eine überragende Rolle: Friedrich fügte neue Gesetze in das spätantike Corpus iuris civilis ein und machte so deutlich, dass sich seine Vorstellungen vom Kaisertum den als vollkommen empfundenen antiken Traditionen verpflichtet sahen, aber auch, dass sich die Herrschaft auf dem Recht gründen muss. Friedrich II. erließ darüber hinaus strenge Gesetze zur Erhaltung der Natur und zum Schutz von Frauen und Minderheiten.

 

Kaiseridee

 

Obwohl die Fortsetzung der Herrschaft über das gesamte Reich seines Vaters unwahrscheinlich erschien, wurde bereits der junge Friedrich nicht nur als zukünftiger König Siziliens, sondern in der Kontinuität seines kaiserlichen Vaters und Großvaters erzogen.

Nicht zuletzt wegen seiner Jugend in Sizilien nahmen die Stadt Rom und die Anerkennung durch ihre Bevölkerung in seinem Verständnis des Kaisertums einen hohen Stellenwert ein. Darüber hinaus war dafür die Taktik des Ausspielens der Stadtrömer und des Papstes gegeneinander der Grund. Allerdings spielte auch der Papst eine wichtige Rolle für die kaiserliche Legitimation Friedrichs II. Schließlich hatte Innozenz III. ihn zumindest inoffiziell als Kaiser anerkannt, bevor er von den Reichsfürsten gewählt worden war. Damit war die Bedeutung des Wahlakts deutlich zurückgegangen, allerdings wohl auch, weil die Reichsfürsten ebenso wie Friedrich selbst davon ausgingen, dass die Krone mangels ernstzunehmender Konkurrenten von nun an im Haus der Staufer bleiben würde. Insgesamt war die Hochachtung des Kaisertums im deutschen Reichsteil durch die Thronstreitigkeiten nach dem Tod Heinrichs VI. gesunken. Die häufige Abwesenheit Friedrichs II. und die krisenhafte Regentschaft Heinrichs (VII.) trugen nicht dazu bei, das Ansehen des Kaisertums zu steigern.

Analog zur Entwicklung in Territorien außerhalb des Reichs und in einzelnen Fürstentümern nahmen auch unter Friedrich II. die Rechtsprechung und überhaupt das Vorhandensein eines kodifizierten Rechtskanons eine wichtigere Stellung ein. Dies galt auch für seine Rechte als Herrscher. So wurde das Regalienrecht zum wichtigsten Machtinstrument des Kaisers. Mit dieser Rechtsgrundlage gründete Friedrich Städte oder verlegte Handelswege, um angrenzende fürstliche Territorien zu entvölkern oder Fürsten Zolleinnahmen zu entziehen. Zudem vermehrte er die staufische Hausmacht, um diese ebenfalls für seine Ziele einzusetzen. 1231 dämmten die Fürsten dieses kaiserliche Vorgehen mit dem Statutum in favorem principum ein. Um Einfluss auf kirchliche Territorien zu erlangen, berief Friedrich sich auf seine Stellung als Vogt für die gesamte Kirche. Das Städtegründungsrecht auf kirchlichem Land wurde 1220 durch die Confoederatio cum principibus ecclesiasticis festgeschrieben, wobei den kirchlichen Herren der Besitz verschiedener Regalien zugesichert wurde. Einen Höhepunkt erreichte die Regalienpolitik Friedrichs 1235 mit dem Mainzer Landfriedensgesetz, in dem im Prinzip alle fürstlichen Rechte als lediglich vom Kaiser ausgegebene Regalien dargestellt wurden.

Unter seiner Regentschaft entstanden auf Sizilien und im Süden der italienischen Halbinsel zahlreiche Festungsbauten wie das Castello Ursino in Catania, Castel del Monte, Castel Maniace, Castello di Termoli, Castello di Lucera und weitere Kastelle.

Gegenüber dem Papst bestand Friedrich auf Gleichberechtigung (Sonne-Mond-Gleichnis). Seine Kaiseridee war zudem universal ausgelegt und stand ganz in der staufischen Tradition, wobei auch das spätantike Kaiserbild eine wichtige Rolle spielte. So ließ Friedrich II. Gold-Augustalen nach dem Vorbild römischer Kaiser prägen. Auf diesen war er mit Tunika und Lorbeerkranz, ganz den römischen Kaisern nachgebildet, dargestellt. Des Weiteren setzte er biblische Elemente ein: Seit seinem Kreuzzug umgab er sich mit dem Hauch eines messianischen Kaisertums, wobei auch die Äußerungen des Nikolaus von Bari eine Rolle spielten; demnach sei das Haus Staufen das Endkaisergeschlecht.

Insgesamt flossen in Friedrichs Kaiseridee, die äußerst vielgestaltig war und teils äußerst übersteigert wirkte, mehrere Elemente ein: staufische, römisch-spätantike, byzantinische, biblische und normannische, verbunden mit einem bis dahin noch nicht da gewesenen, intensiven Einsatz kodifizierten Rechts.

 

Charakter und Persönlichkeit

 

Friedrich II. ist eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten der Geschichte. Seine Zeitgenossen nannten ihn stupor mundi, worin insbesondere die Verblüffung – nicht selten auch das Befremden – der im gottbezogenen Universalismus des Mittelalters verankerten Beobachter über das hoch entwickelte Individualitätsbewusstsein des Staufers, seinen temperamentvollen Eigensinn und seine unorthodoxe, schier nicht zu bremsende Wissbegierde zum Ausdruck kam.

Ein Beispiel dafür, wie sehr sich Friedrich von seinen Zeitgenossen unterschied, war der Kreuzzug in das Heilige Land. Als intimer Kenner der arabischen Mentalität „eroberte“ er Jerusalem durch langwierige Verhandlungen und einen Vertragsschluss. Seither betonten Friedrich und seine zahlreichen Anhänger, darunter auch Theologen, den messianischen Charakter seines Kaisertums, was im Kampf mit dem Papsttum dahingehend umgedeutet wurde, Friedrich sei der Kaiser der Endzeit, der Friedenskaiser.

Den Überlieferungen zufolge war Friedrich II. von Wissensdrang und unbändiger Neugier erfüllt. Dinge, die sich nicht mit Vernunft erklären ließen, glaubte er zum Entsetzen seiner Zeitgenossen nicht. So verbot er z. B. die so genannten Gottesurteile, da er der Meinung war, dass in einem Zweikampf immer der Stärkere, nicht zwangsläufig der Unschuldige gewinnen werde.

 

Friedrich II. und die Naturwissenschaften

 

Am Hof des Kaisers wirkten zahlreiche Dichter, Wissenschaftler und Künstler, so dass von einem Musenhof gesprochen wurde. Friedrich II. schrieb auch ein wissenschaftliches Werk über Vögel und Falknerei (sog. „Falkenbuch“ eigtl. De arte venandi cum avibus, Über die Kunst der Jagd mit Vögeln), das bis weit in die heutige Zeit als Standardwerk zum Thema galt. Das bedeutende, in seiner naturwissenschaftlichen Ausrichtung höchst bemerkenswerte Werk enthält neben einer Einführung in die allgemeine Vogelkunde auch Anleitungen zu Aufzucht, Dressur und Verwendung der Jagdfalken. Die über 900 Vogelbilder stellen zu der Zeit ein Novum dar. In ihnen werden in bis dahin ungekannter Detailtreue die spezifischen Haltungen der einzelnen Vogelarten dargestellt. Die Flugbilder können nur nach der Natur gezeichnet worden sein. Die originale Prachthandschrift ging zwar verloren, eine von Manfred, seinem Sohn 1258 veranlasste Abschrift des Werkes aus der Bibliotheca Palatina ist in der vatikanischen Bibliothek erhalten geblieben.

Seine Gegner nutzten das allgemeine Wissen über seine wissenschaftliche Neugier, um eine für die Zeit plausible Propaganda zu entwickeln, die ihn diskreditieren sollte. Sie behaupteten, er litte unter Wahnideen. So schreibt ihm zum Beispiel Salimbene von Parma, ein Franziskanermönch, in seiner Chronik derer sieben zu. Eine der hier beschriebenen behandelt die sogenannte Suche nach der Ursprache, die, schon seit der Antike nachweisbar, vor Friedrich II. bereits verschiedenen anderen Herrschern zugeschrieben worden war. Salimbene schreibt, Friedrich habe zum Zwecke dieser Suche mehrere Säuglinge von der Außenwelt isoliert und ihren Ammen befohlen, die Kinder zwar zu säugen und sauberzuhalten, aber weder mit ihnen zu sprechen noch sie zu liebkosen, oder ihnen sonstige Zuwendung zuteil werden zu lassen. Auf diese Weise habe er – so Salimbene – herausfinden wollen, in welcher Sprache Kinder ihre ersten Worte von sich geben. Die Kinder hätten dann aber gar nicht gesprochen, sondern seien aufgrund der mangelnden menschlichen Zuwendung frühzeitig gestorben.

Gerade das Falkenbuch zeigt ein in dieser Zeit neuartiges, so vorher nicht dagewesenes Interesse an der diesseitigen Wirklichkeit, an Mathematik, Medizin und Naturphänomenen aller Art und Ansätze zu empirischem Denken und Naturerforschung, auch mit Hilfe von Experimenten. Selbstgesetztes Ziel Friedrichs im Falkenbuch, einer umfassenden Ornithologie, war es, „sichtbar zu machen die Dinge, die sind, so wie sie sind“ (manifestare ea, quae sunt, sicut sunt). Bloß durch das Ohr erlange man keine Gewissheit. So wird selbst die Zuverlässigkeit einer bisher so unumstrittenen Autorität wie des Aristoteles unter Berufung auf die eigene langjährige Erfahrung mit der Falknerei mit dem Argument relativiert, Aristoteles beziehe sein Wissen auf diesem Gebiet wohl kaum aus eigener Erfahrung, sondern von unzuverlässigen Gewährsleuten. Auch wenn dieses neue Denken in seinem Umfeld und seiner Zeit nicht ohne Voraussetzungen ist (Nominalismus, Schule von Salerno, Jordanus Ruffus, Michael Scotus, Petrus de Ebulo), so kann Friedrich II., zumal wegen seiner Förderung wissenschaftlicher Einrichtungen und Gelehrter, ein bedeutender Platz am Beginn der Entwicklung zugewiesen werden, die über Renaissance und Rationalismus in die Moderne führen sollte.

 

Haltung zu Christentum und Islam

 

Die zahlreichen Propagandaberichte trugen mit zur Verzerrung der Persönlichkeit Friedrichs in der Nachwelt bei. Friedrich II. gilt als Wunderwesen unter den europäisch-christlichen Monarchen des Mittelalters. Bereits seine Zeitgenossen sahen dies so. Allerdings erblickten viele in ihm auch den Hammer der Christenheit und sahen in seinem Interesse am Islam, mit dem er sein Leben lang in Verbindung stand, einen Verrat am Christentum. So führte seine teils tolerante Einstellung gegenüber der Religion später zu der Behauptung, Friedrich habe die Religionsgründer Jesus, Moses und Mohammed als „drei Betrüger“ bezeichnet. Dies ist, so weit ist sich die moderne Mediävistik einig, nicht glaubwürdig und der päpstlichen Propaganda zuzuschreiben. Friedrich selbst wies diese Beschuldigung ebenfalls von sich. Ob dieses Motiv bereits vorher zur Verdammung antikirchlicher Ideen verwendet wurde, ist nicht geklärt, allerdings ist dies nicht auszuschließen, wurde dieselbe Aussage später doch auch Petrus de Vinea, Arnaldus de Villanova, Boccaccio, Petrus Aretinus, Machiavelli, Pietro Pomponazzi, Gerolamo Cardano, Tommaso Campanella, Giordano Bruno, Baruch de Spinoza und schließlich sogar noch Thomas Hobbes angedichtet.

Am Kaiserhof selbst wirkte jedoch kein einziger muslimischer Gelehrter, zumal Friedrich den Islam auf Sizilien faktisch zurückgedrängt hatte und in mehreren Schreiben seine christliche Einstellung betonte. Die neuere Forschung (Hans Martin Schaller) hat daher auch viele Urteile bzgl. einer vollkommen toleranten oder gar islamfreundlichen Einstellung des Kaisers revidiert. Die Kaiseridee Friedrichs II. verrät vielmehr eine tief verwurzelte christliche Ideologie.

Friedrich verstand sich als christlicher Monarch, allerdings im Sinne eines byzantinischen Kaisers, also als Gottes Stellvertreter auf Erden. Eine Unterordnung unter den Papst kam für ihn nicht in Frage. Dabei fällt auf, dass er, anders als sein Großvater Barbarossa, nie einen Gegenpapst aufstellen ließ. Denn Friedrich verstand sich weiterhin auch als mittelalterlicher Universalherrscher und keineswegs als ein Renaissancefürst, wie ihn manche spätere Historiker sehen wollten. Es ging ihm nicht um eine völlige politische Entmachtung des Papsttums, sondern vielmehr um einen weitgehenden Ausgleich, wobei er freilich, nicht zuletzt aufgrund seiner persönlichen Vorstellungen vom Kaisertum, den politischen Ambitionen der Päpste, das Kaisertum dem Papsttum nachzuordnen, entgegentrat.

 

Mythos

 

Mit dem Machtverlust des Königtums im Interregnum nach Friedrichs Tod entstand in Deutschland die Legende vom Kaiser Friedrich, der im Kyffhäuser-Gebirge schlafe (in Sizilien schlief er allerdings im Ätna) und nach seinem Aufwachen das Reich zur Größe zurückführen werde. Erst im 16. Jahrhundert wurde diese Legende auf seinen Großvater, Friedrich I. Barbarossa, übertragen. Diesen Volksglauben nutzten mehrere Menschen aus und gaben sich für den zurückgekehrten Kaiser aus, so z. B. Tile Kolup (auch Dietrich Holzschuh genannt) 1284 zunächst in Köln, später in Neuss und Wetzlar.

 

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